Je freier die Künstler der Düsseldorfer Malerschule wurden, desto eher griffen sie die akademische Historienmalerei an. Heinrich von Rustige gehört mit seiner Szene „Der Bauer im Maleratelier“ dazu. Er zeigt einen Bauern, der devot vor einer Puppe in Uniform den Hut zückt. Der Künstler parodiert damit das Atelierbild, in dem scheinbar die Vergangenheit rekonstruiert wird. Während der Bauer das Spiel aus Schein und Wirklichkeit nicht durchschaut, ist der Hund dank seiner Instinkte schlauer. Er untersucht sofort den Gipskopf auf dem Boden, er verlässt sich eben auf seine Nase. Das Gemälde eröffnet ein paradoxes Spiel von Sehen und Erkennen. Der Maler meint letztlich nicht den tölpelhaften Bauern, sondern den Betrachter, der sich nichts vormachen lassen soll. Die Kunst darf man eben niemals für bare Münze nehmen, sie täuscht, und sei es nur mit einer Puppe. H.M.
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