Karneval in Ratingen Büttenredner begeistern Publikum
Ratingen · Die Roten Funken feiern ihren sieben mal elfjährigen Geburtstag und machten sich selbst mit dem Rednerfrühschoppen ein Geschenk, das ankam.
(Red/abin) Die Roten Funken haben sich dieses Format selbst zum jecken 7 mal 11-jährigen Geburtstag geschenkt und zum Rednerfrühschoppen ins Bürgerhaus eingeladen.
Pünktlich um 11.11 Uhr stand als erster Redner Boris Müller, Prinz Karneval der Stadt Köln in der Session 2023, auf der kleinen Bühne und es war mucksmäuschenstill als er mit tiefer Stimme und mit einem Augenzwinkern seine Hommage an den als „Doof Nuss“ bekannten Büttenredner Hans Hachenberg vorgetragen hat. Hachenberg verkörperte 65 Jahre lang unter anderem die Charaktere eines Trottels, der als jüngstes Kind in einer Großfamilie pointenreich das Familienleben und den Alltag schilderte. „Es ist ein feiner Humor, der niemals unter die Gürtellinie ging und auch nach Jahrzehnten immer noch begeistert“, so Boris Müller am Ende seiner Rede.
Die Büttenredner und ihr jeweiliges Programm
Die schillernde Persönlichkeit, Hilla Heien aus Kalkar war gleich mittendrin im Geschehen, sie hatte keine Berührungsängste und sorgte mit frechen (aber niemals bösartigen) Witzen, mit Charme und ungebremstem Temperament dafür, dass am Ende niemand mehr auf seinem Sitz bleiben konnte und schwungvoll durch den Saal tanzte. Und sie krempelte damit das Konzept der Veranstaltung mal eben locker auf links… (von wegen ruhiger Rednerfrühschoppen).
Doch wenig später war es wieder leise und gesittet zum Auftritt von Thomas Cüpper, der seit 1988 als „Et Klimpermännche“ auf der Bühne steht und das traditionelle Genre des eher leisen Karnevals, mit einer Mischung aus Büttenrede „Der liebe Gott hat uns das Gesicht gegeben, Lachen musst Du schon selbst“ und Interpret der unvergesslichen Lieder von Willi Ostermann, vertritt.
Achnes Kasulke, die glitzernde stimmgewaltige selbst ernannte „letzte Putzfrau vor der Autobahn“ verteilte freigiebig Geschichten rund um Ehemann Erwin und ihre Lebensweisheiten („Besoffen zu flirten ist wie besoffen einzukaufen, man wisse nie, mit was für einem Blödsinn man dann nach Hause kommt“).
Für die meisten Anwesenden eher unbekannt war Michael Hehn in seiner Rolle als „Dä Nubbel“. Doch schnell merkte man, dass hier jemand mit einer klaren Meinung auf der Bühne steht. Großartig sein kölscher Vortrag, immer wieder erklärte er Begriffe (puddelrüh heißt splitterfasernackt) damit auch die Jüngeren im Saal alles richtig verstehen können. Im Hauptberuf Lehrer verkörperte er im Karneval den Nubbel, der jedes Jahr zu Aschermittwoch für die Verfehlungen und Sünden der Menschen brennen muss. Es war ihm wichtig und so fragte er immer wieder, ob denn alle wählen gegangen sind. Bis heute Abend wolle er zwei Promille haben und so ließ er sich von Vize-Präsident Klaus Rehsen, der souverän durch die Veranstaltung führte, das frischgezapfte Ratinger „Kölsch“ (etwas dunkler als das Original) auf die Bühne reichen.
Dave Davies, der kölsche Jong mit Blääck Föös, war als Sanitätsfachkraft Motombo Umbokko in Ratingen unterwegs und brachte es am Ende auf den Punkt: „Wir sind alle nur auf unserer Restlaufzeit unterwegs. Macht Euch das Leben nicht so schwer und seid das ganze Jahr über jeck. Ab zwei Personen bist Du Polonaise-fähig! Werdet zu Terroristen der Lebensfreude!“
In diesen vier Stunden, die der erste Rednerfrühschoppen der Funken gefeiert wurde, blieb kaum ein Auge trocken und es wurde aus vollem Herzen laut und befreiend gelacht. Stimmt der Spruch, dass bei jedem Lacher irgendwo auf der Welt ein Problem stirbt, dann haben die Funken und ihre Gäste wirklich alles gegeben, damit die Welt ein klein wenig besser geworden ist. Und dass es möglich ist, die eigene Perspektive auf seine Probleme ändern zu können. Einhellige Meinung: „Es war eine der schönsten Veranstaltungen der Session!“ Manchmal können die scheinbar kleinen Formate überraschend ganz groß werden. Diese vier Stunden waren es auf jeden Fall.