Berlin/Washington. Der Druck auf Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Mitstreiter wächst. Die US-Internetunternehmen Amazon, PayPal und EveryDNS haben mit einem Hinweis auf ihre Geschäftsbedingungen der Enthüllungsplattform die Zusammenarbeit aufgekündigt und dafür gesorgt, dass die Website von Wikileaks zeitweise nicht mehr erreichbar war.
Doch der Versuch, die Enthüllungsaktivisten und die geheimen Dokumente aus dem Internet zu verbannen, ist gescheitert. Nachdem EveryDNS die Weiterleitung der Adresse wikileaks.org an die Server der Aktivisten in Schweden unterbunden hatte, mussten die Anwender im Web zunächst auf die Internetadresse http://213.251.145.96 ausweichen, die sofort in Netzwerken wie Twitter verbreitet wurde.
Nach einem Aufruf von Assange, die Seiten von Wikileaks im Netz zu "spiegeln", haben Sympathisanten inzwischen hunderte Server weltweit zur Verfügung gestellt und dort das Projekt "Cablegate" hinterlegt. Und so kann man nun die umstrittenen Dokumente auch auf etlichen Servern aus Deutschland finden. Um die Aktualisierung der Datenbestände durch neue Depeschen kümmert sich Wiki-leaks.
Für manche US-Bürger ist aber auch das Stöbern in den Wikileaks-Beständen mit gewissem Risiko verbunden. So dürfen Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes offiziell die geheimen Dokumente nur dann lesen, wenn sie für die entsprechende Geheimhaltungsstufe zugelassen sind - egal ob die Medien bereits über den Vorgang berichtet haben oder nicht.
In den USA regt sich unter den Netz-Aktivisten nun der Widerspruch gegen den Umgang der Regierungsstellen und der beteiligten Internet-Unternehmen. Netzpionier John Perry Barlow, der bereits im Jahr 1996 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Unabhängigkeit des Cyberspace verkündete, startete auf Twitter eine Unterstützungskampagne für Wikileaks und sprach von einem "Informationskrieg": "Das Schlachtfeld ist Wikileaks. Ihr seid die Truppen."
Im Streit um die Veröffentlichung der Dokumente geraten nun auch die Firmen ins Visier der Netzgemeinde, die Wikileaks wie eine heiße Kartoffel fallen ließen. Der Bonner Netzaktivist und Blogger Gunnar Sohn steht mit seinen Überlegungen für viele: "Man wird sich überlegen, mit wem man kooperiert, Geschäfte abschließt und im Netzwerk zusammenarbeitet: Amazon, Paypal oder everydns.net zählen wohl nicht mehr zur ersten Wahl."