Essen. Fast so viele Stunden wie bei einem Vollzeitjob sitzen die angehenden Abiturienten pro Woche auf den Schulbänken. Doch nicht nur die Arbeitslast des "Turbo-Abis" (G8) stellt sich für die jungen Menschen als Problem dar: 2013 machen die ersten Schüler nach nur acht Jahren Gymnasium ihr Abitur - gleichzeitig mit dem letzten Jahrgang, der noch neun Jahre am Gymnasium durchlief.
2013 wird neben den letzten Schülern des alten Modells auch der erste G8-Jahrgang das Abitur machen. "Da können einem graue Haare wachsen", sagt Schulleiterin Schwester Ulrike Michalski vom BMV Mädchengymnasium in Essen. Noch hat das Kollegium nicht geklärt, woher sie Prüfer und Räume für 280 statt sonst 150 Abiturprüfungen nehmen sollen.
Danach schwappt eine Flut von Schulabgängern an die Universitäten. Die doppelt so große Nachfrage nach Studienplätzen könnte den Numerus Clausus (NC) in die Höhe schnellen lassen, sagt Bernhard Scheer von der Stiftung für Hochschulzulassung.
Auch die Universitäten selbst rüsten sich für den Ansturm. Da kommt es gelegen, dass die teils baufälligen Gebäude etwa aus den 60er Jahren in Essen, Duisburg, Dortmund oder Bochum derzeit Ersatz erhalten.
Die Uni Duisburg-Essen will 90 neue Mitarbeiter einstellen. Pünktlich zur verdoppelten Studienplatznachfrage sollen dann vor allem junge Nachwuchsprofessoren das Lehrangebot erweitern. Nach einigen Jahren verringert sich der Bestand wieder, wenn ältere Kollegen in den Ruhestand gehen. Um den Andrang zu entzerren, raten Schulen den Abiturienten, über ein Auslandssemester oder ein freiwilliges soziales Jahr nachzudenken.