20. Oktober 1989: SED bittet Bürger: Bleibt in der DDR

Endlich erkennt auch die SED, dass sich die anhaltende Fluchtwelle nicht allein mit geschlossenen Grenzen stoppen lässt. Während Honecker vor wenigen Wochen noch betont hatte, er weine den Ausreisenden "keine Träne nach", bittet das DDR-Außenministerium nun Ausreisewillige, ihre Pläne noch einmal zu überdenken.

Zudem bietet es bereits ausgereisten DDR-Bürgern die Rückkehr an. "Republikflucht" ist eine Straftat. Geflüchtete DDR-Bürger müssen bisher damit rechnen, zu hohen Haftstrafen verurteilt zu werden, wenn die DDR ihrer habhaft wird. Vieles deutet nun darauf hin, dass die DDR-Führung auch mit einem liberaleren Reisegesetz auf den Druck der Fluchtwilligen reagieren will.

Derweil nimmt die Bundesregierung erstmals offen Kontakt zu den Reformkräften in der SED auf. Der FDP-Politiker Wolfgang Mischnick trifft den Dresdner SED-Chef Hans Modrow, der als einer der ersten den Dialog mit Bürgerrechtlern aufgenommen hatte. In Dresden demonstrieren am Abend rund 50.000 Menschen für freie Wahlen.