Berlin. Eine Badewanne voll alkoholischer Getränke hat jeder Mensch in Deutschland 2011 im Schnitt konsumiert: 136,9 Liter Bier, Wein, Schaumwein oder Spirituosen nennt das Jahrbuch Sucht 2013, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch präsentierte. Umgerechnet trank jeder Bürger so rund 9,6 Liter reinen Alkohols — genauso viel wie im Vorjahr. Damit liegt Deutschland in Europa auf Platz 13 von 34. Durch Erkrankungen, Fehlzeiten oder Frühverrentung entstehe so ein volkswirtschaftlicher Schaden von 26,7 Milliarden Euro pro Jahr.
„Die Gesundheitsrisiken von Alkohol werden immer noch dramatisch unterschätzt“, sagte Gabriele Bartsch von der DHS. Etwa 74 000 Menschen sterben laut Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol allein oder in Kombination mit Rauchen — dem zweiten großen Suchtproblem im Land.
„Hier setzt sich aber die erfreuliche Entwicklung fort, dass immer weniger junge Leute rauchen“, so Bartsch. Nur etwa zwölf Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren greifen zumindest hier und da zur Zigarette — so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Insgesamt rauchen in Deutschland zwischen 26 und 30 Prozent der Bevölkerung, je nach Studie.
Im Vergleich dazu fallen die Zahlen beim Missbrauch illegaler Drogen deutlich kleiner aus: Rund fünf Prozent der Menschen ab 15 Jahren haben binnen zwölf Monaten mindestens einmal eine illegale Droge genommen, die meisten von ihnen Cannabis.
„Wir haben in Deutschland ein sehr gutes, professionelles Versorgungssystem in der Suchthilfe“, betonte der Vize-Vorsitzende der DHS, Theo Wessel. „Aber es gibt zu viele Schnittstellen im Hilfssystem, die dann oft zu unüberbrückbaren Bruchstellen werden.“ Eine einheitliche Behandlungsstrategie würde der Suchthilfe gut tun. Red