Düsseldorf. Das Dröhnen des Hubschraubers ist schon von Weitem zu hören. Dann taucht vor der Silhouette des Rheinturms der Eurocopter EC-155 auf. Über dem Dach des Backsteingebäudes auf einer Industriebrache an der Erkrather Straße bleibt er leicht schwankend in der Luft stehen.
Ein dickes Seil fliegt aus dem Inneren, daran flitzen - einer direkt nach dem anderen - fünf Männer in schwarzen Overalls herunter. Als die Schuhe des letzten den Boden berühren, dreht der Helikopter bei und schwirrt davon. Die Männer auf dem Dach schauen sich hinter gezückten Maschinenpistolen wachsam um.
Ganz so spektakuläre Bilder werden sich den Düsseldorfern in der kommenden Woche wohl nicht bieten. Aber ihnen wird nicht verborgen bleiben, dass in der Stadt weit mehr Spezialkräfte zu Einsätzen ausrücken als gewöhnlich.
Denn Düsseldorf richtet eine Meisterschaft für Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus, zu der zwölf Teams aus NRW und auch aus dem Ausland anreisen. Bei dem Wettkampf "Metropolis2008" wollen sie ermitteln, wer in Disziplinen wie Geiselbefreiung absolute Spitze ist.
Die Düsseldorfer Spezialkräfte sind beim letzten SEK-Wettstreit vor zwei Jahren als bestes NRW-Team auf Platz zwei gelandet - als Ausrichter dürfen sie in diesem Jahr nicht selbst mitkämpfen. Ein Jammer, findet einer der SEK-Männer, die gerade auf dem Dach gelandet sind.
Vor vier Jahren war er selbst in einer Turniermannschaft - und findet den Austausch mit den anderen Städten und Ländern genial. Zumal diesmal ein "Special Operation Team" aus Oklahoma dabei ist. "Wir waren 2007 vier Wochen in den USA", berichtet er. "Die haben einfach ganz andere Trainingsmöglichkeiten."
Immerhin kann er mit seinen Düsseldorfer Kollegen bei der Übung am gestrigen Mittag zeigen, was er kann. Als die Männer das Dach gesichert haben, verschnallen sie Leinen an einer Feuertreppe und seilen sich an der Backsteinfassade ab. Zwei bringen eine Sprengstoffladung an einer Tür an, die Kollegen halten ihre "Shot Guns" ständig im Anschlag.
Mit einem gelben Blitz und gewaltigen Wumms detoniert der Sprengsatz, die ramponierte Tür springt auf. Die Männer rennen in das Gebäude, wieder ein Wumms: eine Blendgranate. Sekunden später rennen zwei Männer mit der "Geisel" - einer blonden Kollegin von der Polizei - ins Freie. Die anderen folgen mit dem Geiselnehmer. Übung erfolgreich.
Mit Heli und Sprengstoff werden die Wettkampfteams ab Montag wohl nicht anrücken. "Aber wir sind im ganzen Stadtgebiet unterwegs", kündigt Ulrich Faßbender vom SEK Düsseldorf an. Vor vier Jahren beim Vergleichskampf im Ruhrgebiet musste etwa die Bottroper Skihalle gestürmt werden. Wie im wahren Leben gilt: "Einen Königsweg gibt es nicht", sagt Faßbender.
Gerade deshalb ist der Wettkampf ein wichtiger Wissensaustausch für die Spezialkräfte. Es geht nicht nur darum, besser zu sein, sondern auch von anderen zu lernen. Immerhin bewältigt jedes SEK bis zu 250 Einsätze im Jahr - meist ganz im Stilen.