Der gute Sonntagsengel von Haan

Seit Iris Quadflieg in ihrem Stadtteil lebt, ist sie Anlaufstelle, wenn jemand Hilfe braucht. Trotzdem bleibt Zeit für Familie.

Foto: Olaf Staschik

Haan. Ihre Zeit schenkt sie den Menschen. Und man sieht es Iris Quadflieg an — Anteilnahme, Mitgefühl kommen bei ihr aus dem Herzen. Diese fröhliche, zupackende und kluge Frau ist dreifache Mutter und hat zwei Enkel. Wenn man sie braucht, ist sie da. Das war schon in den 1970iger Jahren so, als sie und ihr Mann Dieter in die neu gebaute Carl-Barth-Straße zogen — junge Familien, viele Kinder. Das Haus Quadflieg war so etwas wie eine Anlaufstelle, wenn man Hilfe brauchte.

„Was eben so anfiel“, erzählt Iris Quadflieg lächelnd. „Mit Hunden Gassi gehen, Babysitten, mit den Kindern spielen . . .“ Die Kinder standen öfter vor ihrer Türe, hatten Hunger und blieben schon mal über Nacht. Sie schmunzelt: „Wir waren dazu für alle die Poststation. Im Flur stapelten sich die Pakete für die Nachbarn, manchmal bis zur Decke.“ Die Kinder sind heute erwachsen. Aber immer noch hat Iris Quadflieg ein offenes Ohr für ihre nun älteren Nachbarn. Damals, trotz ihrer Berufstätigkeit (als Rechtspflegerin und später in einer Anwaltskanzlei) zog ihr „Sich kümmern“ weitere Kreise. Seit über 30 Jahren hilft Iris Quadflieg im Gemeindecafé am Haus an der Kirche. Backt oder besorgt Kuchen, kocht Kaffee, deckt die Tische ein und bedient liebevoll die Gemeinde-Gäste. Als ihre Mutter 1996 ins Friedensheim kommt, ist Hilfsbereitschaft, ist Trösten und Aufheitern in dem Haus, wo die Mutter lebt, der Tochter eine Herzensangelegenheit. „Viele der Bewohner fühlen sich einsam, haben selten Besuch und freuen sich, wenn man singt, erzählt, vorliest“, sagt Iris Quadflieg.

Iris Quadflieg, Haanerin

„Und sie möchten selbstständig bleiben. Ich habe sie zum Einkaufen oder zu Behörden begleitet“. Als 2004 ihre Mutter stirbt, muss Iris Quadflieg das erst verkraften. Wochen später ist sie wieder im Einsatz, wird Mitglied im Verein der Freunde des Friedensheims und Schriftführerin und . . . Sie lacht: „Ein Sonntagsengel. So nennt man uns, weil wir jeden Sonntag die Senioren in die Kirche begleiten und auch wieder abholen.“

Sie organisiert alle Feste des Friedensheims mit. „Vor dem letzten Sommerfest habe ich 27 Plakate in Haan aufgehängt und 280 Bettelbriefe an Firmen geschrieben“, erzählt sie. Trotz dieser vielen Aufgaben nehmen sie und ihr Mann sich immer Zeit für ihre eigene Familie und besonders die Enkel.

Die das auch ganz toll finden, so fitte Großeltern zu haben. Vielleicht hält das ja auch fit — an andere zu denken — immer ein Ohr für die Wünsche der anderen zu haben, wie für die Weihnachts-Wünsche der Bewohner des Friedensheims.