Gruppe für Mütter in Haan Frauen helfen Frauen im Wochenbett

Haan · Ein offenes Ohr, ein Strauß Blumen oder eine Mahlzeit: Die Gruppe „Wochenbett-Geflüster“ unterstützt in der Zeit nach der Geburt. Denn den neuen Alltag zu meistern, ist oft nicht leicht.

Cornelia Turwitt zeigt, was eine Hilfe im Wochenbett sein kann: eine Mahlzeit, ein Kuchen oder ein Blumengruß beispielsweise.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Das Wochenbett, also die ersten Tage und Wochen nach der Geburt eines Kindes, sind eine ganz besondere Zeit. Eine überglückliche Zeit mit dem kleinen Schatz, zugleich aber auch eine Zeit, die geprägt ist von Schlaflosigkeit, von einer Flut nun frei gesetzter Hormone und häufig auch von Überforderung vom neuen Alltag, der sich mit einem Baby nicht mehr so leicht strukturieren lässt.

Mütter sollten sich im Wochenbett eigentlich selbst von der anstrengenden Geburt erholen, versorgen vielleicht parallel aber auch schon wieder Geschwisterkinder und kümmern sich natürlich um das Baby. „Oft steht den Frauen in dieser Zeit wenig Unterstützung zur Verfügung“, erklärt Cornelia Turwitt. Deshalb engagiert sich die Haanerin, die selbst dreifache Mutter ist, für das Netzwerk „Wochenbettgeflüster“, eine Gruppe, in der Frauen andere Frauen in dieser besonderen Zeit unterstützen.

Der Name ist sehr bewusst gewählt. Das „Wochenbettgeflüster“ soll leise und einfühlsam sein, ein Schutzraum für Frauen, die gerade Mutter geworden sind. Das Netzwerk besteht aus Frauen, von denen die allermeisten selbst Mütter sind, und die sich ehrenamtlich engagieren. „Ihr Engagement basiert auf dem Wissen um die Bedeutung des Wochenbetts, auf dem Wunsch nach Verbundenheit und Unterstützung sowie der Dankbarkeit und Wertschätzung für die Leistungen von Frauen und Müttern, gerade um die Zeit der Geburt eines Kindes“, erklärt Turwitt.

Sie sagt: „Die besondere Zeit des Wochenbetts steckt voller Fragen, Unsicherheiten und neuer Herausforderungen.“ Die ersten Tage und Wochen mit einem Säugling seien geprägt von vielen kleinen Wundern, sind aber auch schon voller Termine etwa bei Ärzten oder mit Familienangehörigen, die das Kind besuchen möchten und dabei aber möglicherweise die Mutter überfordern. „Man ist dankbar und gleichzeitig ist alles zu viel“, beschreibt Turwitt. „Es sind so viele Emotionen, die auf einmal auf einen einströmen, und man entdeckt viele zuvor ja völlig unbekannte und neue Seiten des Lebens und auch von sich selbst.“ Daher sei es für Frauen im Wochenbett sehr hilfreich und schön, sich mit anderen zu verbinden, Unterstützung zu erfahren, um sich leichter zu orientieren und in diesem aufregenden neuen Leben einzufinden.

Gründerin Verena Aly kommt aus Dresden. Sie hatte die Vision, Frauen zu vernetzen und eine solche Unterstützung möglich zu machen – ehrenamtlich und vor Ort umsetzbar. Mittlerweile ist das Wochenbettgeflüster in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich verbreitet „und wächst täglich“, berichtet Turwitt. In Haan und Umgebung hat sich eine Regionalgruppe etabliert. „Hier werden Austausch, Engagement und Unterstützung gelebt“, so Turwitt.

Und wie sieht die konkrete Unterstützung für das Wochenbett aus? Unterstützen kann frau schon ganz einfach mit einem offenen Ohr, außerdem mit dem Austausch von Erfahrungen, mit konkreten Tipps, dem Kochen und Vorbeibringen einer Mahlzeit, nützlichen Hinweisen, einer netten Karte, einem Strauß Blumen und vielem mehr, was eine frisch gebackene Mutter und ihre junge Familie in dieser Zeit entlastet.

Das Angebot sei bewusst niederschwellig, es komme völlig ohne Termindruck aus und auch ohne Erwartungen an die jungen Mütter. Ebenso müssen auch Unterstützerinnen, die der Gruppe beitreten, nicht sofort etwas anbieten. „Wir halten den Kontakt über WhatsApp“, berichtet Turwitt, „da können Mütter auch erstmal nur mitlesen.“ Und weil es ein mutiger Schritt ist, zu sagen, dass man Hilfe braucht, dürfen Unterstützerinnen gern etwas anbieten, ohne dass jemand gefragt hat. „Die Gruppe soll gebenden Charakter haben. Wenn zum Beispiel jemand Kindergeburtstag gefeiert und noch Kuchen übrig hat, kann er der Wöchnerin zum Beispiel etwas vorbeibringen und ihr damit eine große Freude machen.“

Für alle Teilhabenden sei diese Aktion eine wunderbare Möglichkeit, das Miteinander und unsere Gemeinschaft mitzugestalten und zu bereichern — „und einen wunderbaren Geleitschutz für neues Leben zu schenken.“