Mettmann. Der Tod von Horst-Günther Hütten, dem letzten lebenden Gründungsmitglied der "Aulen Mettmanner", war Ende des vergangenen Jahres ein schwerer Schlag für die Bürger- und Heimatvereinigung. Hütten war seit vielen Jahren bis zu seinem Tod der Baas der "Aulen", der oberste Repräsentant des Vereins.
Ein Nachfolger Hüttens wurde am Sonntag auf der Jahreshauptversammlung der "Aulen" in der Neandertalhalle nicht gewählt. Aber die rund 160Mitglieder stimmten mit großer Mehrheit einer Satzungsänderung zu, die die Amtszeit des Baas künftig auf drei Jahre festlegt. Bisher wurde er laut Satzung alle fünf Jahre neu gewählt. Tatsächlich ist es schon sehr lange her, dass die "Aulen" einen Baas gewählt haben. Denn der Vorstand hatte Hütten wegen seiner großen Verdienste stillschweigend zum Baas auf Lebenszeit erklärt.
Ob die Vereinsmitglieder, die nicht mit dem Mettmanner Platt groß geworden sind, überhaupt noch wissen, was das Wort Baas bedeutet? Einer, der es noch weiß, ist Rudi Meincke, der für die "Aulen" Kurse in Mettmanner Mundart gibt. "Baas heißt der Brave, der Gute", klärt Meincke auf. Die Mettmanner bezeichneten früher ein besonders artiges und braves Kinder als "baas keng".
Vermutlich wird Helmut Kreil in zwei Jahren zum neuen Baas gewählt. Bis dahin bleibt das Amt unbesetzt. Denn mit der Satzungsänderung wurde auch festgelegt, dass der Baas immer dann gewählt wird, wenn Vorstandswahlen auf der Tagesordnung stehen. Als Vorsitzender wollte sich Kreil (82) schon vor Jahren zurückziehen, doch bislang hat sich niemand gefunden, der sein Amt übernehmen will.
Die Mitgliederzahl der Heimatvereinigung, die 1952 gegründet wurde, geht rapide zurück. Im vergangenen Jahr registrierte der Verein 20Austritte und 39 Sterbefälle. Dem standen 27 Zugänge gegenüber. 1049 Mitglieder zählen die "Aulen" aktuell, weil SPD-Bürgermeisterkandidat Matthias Stascheit seine Mitgliedschaft am Sonntag beantragte. So was macht sich nämlich gut in den Bewerbungsunterlagen fürs Bürgermeisteramt.
Ernst-August Kortenhaus, der für seine 40-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde und seit knapp zehn Jahren im erweiterten Vorstand sitzt, wünscht sich, dass die "Aulen" politischer werden, sich stärker als bisher für die Stadt engagieren und sich in Entscheidungen auch einmischen. "Schließlich sind wir ein großer Verein, der schon eine gewisse Bedeutung hat", sagt Kortenhaus, der einst vom "Aulen-Gründungsmitglied" und Heimatdichter Fritz Geldmacher angeworben worden war. Die Erneuerung des Stadtwaldes sei ein Thema für die Heimatvereinigung, so Kortenhaus. Aber auch bei der Suche nach Namen für neue Straßen müsste sie sich einbringen
Seit 50 Jahren ist Jürgen Keil Mitglied. Sein Vater, der den "Aulen" kurz nach der Vereinsgründung beigetreten war, hatte ihn und seine Schwester Elke angemeldet. Keil: "Ich bin bestimmt schon länger als 50 Jahre Mitglied, aber das lässt sich nicht mehr belegen." Er lebt seit 30 Jahren in Haan. Seine Verbindung in die Heimatstadt pflegt der Mettmanner. "Ich bin nächstes Jahr 50 Jahre im Quartett-Verein."
Hans-Georg Malitz, Vorsitzender des Bürgervereins Metzkausen, erklärte, dass sich die Metzkausener mit den "Aulen" zusammen dafür einsetzen wollen, "kritische Punkte bei der künftigen Entwicklung der Innenstadt zu beseitigen".