Halbfastenmarkt in Kempen Gute Laune, die ansteckt

Kempen · Die gute Laune beim diesjährigen Halbfastenmarkt war ansteckend. Wie die 130 Händler das Bummeln in der Altstadt zu einem echten Erlebnis machen.

Die drei Schwestern Edith Hanka, Gerlinde Heiligers und Erika Runo (v.l.) hatten sich zum Bummeln auf dem Halbfastenmarkt verabredet.

Foto: Theresa Szorek

Am Vorabend des Halbfastenmarkts ist es noch ruhig auf dem Buttermarkt. Vereinzelt stehen schon ein paar Imbissbuden an der Kuhstraße, doch noch sind die Grills und Kühlschränke aus und die Straßen leer. Am Dienstagmorgen sieht es dann schon ganz anders aus: In der ganzen Altstadt herrscht buntes Treiben, auf Buttermarkt und dem Viehmarkt und an den Straßen drängen sich die Stände und Besucher.

Rund 130 Händler sind beim diesjährigen Halbfastenmarkt dabei, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Für viele ist der Besuch Tradition, manche kommen von weit her, um einen der größten Freiluft-Basare am Niederrhein zu erleben. Beim Halbfastenmarkt geht es nicht nur um das bloße Kaufen. Das Erlebnis steht im Vordergrund.

„Wenn Ihr Fenster beim Putzen Streifen bekommt, kriegen Sie den Glasreiniger geschenkt!“, ruft einer der Verkäufer, die umstehenden Damen kichern gut gelaunt. Ein anderer, der vor dem DM in der Engerstraße kleine Bürsten zur Teppichreinigung feilbietet, hat sogar ein Headset-Mikrofon auf. Ein bisschen fühlt es sich an, als wäre der Teleshopping-Sender QVC Realität geworden – gleichwohl sitzt man vor dem Fernseher alleine, während auf dem Halbfastenmarkt viele Besucher mit Freunden und Familie unterwegs sind.

Ein bisschen shoppen
und ein Eis essen

So auch die drei Schwestern Erika Runo, Gerlinde Heiligers und Edith Hanka, die sich am Nachmittag verabredet haben, um gemeinsam über den Markt zu schlendern. Hanka ist Kempenerin und bei vielen Veranstaltungen in der Stadt begeistert dabei – von St. Martin bis zum Weihnachtsmarkt. Was heute auf dem Plan steht? „Unbedingt ein Eis essen“, sagt Hanka. „Und ein bisschen shoppen“, fügt Runo hinzu. Kulinarisch hat der Markt einiges zu bieten, von typischen Marktleckereien wie Reibekuchen, Würstchen und Crêpes bis hin zu ausgefalleneren Spezialitäten: auf dem Viehmarkt wird in einem großen Holzofen Brot gebacken, mehrere Stände bieten leckere Pasten und Fladenbrote an.

Damit alles reibungslos abläuft, sind schon am Vormittag viele Einsatzkräfte unterwegs, die nach dem Rechten schauen. Das Lebensmittelüberwachungsamt ist da und die Polizei, ebenso wie das Ordnungsamt, das kontrolliert, ob alle Kabelmatten richtig platziert sind und es keine Stolperfallen gibt. Selbst vor Ort ist auch Marktmeister Werner Kleinofen. Er hat bei der Planung darauf geachtet, dass es an jeder Straße „von allem etwas“ gibt – dass sich also zum Beispiel nicht acht Lederwarenhändler aneinander reihen und man nicht lange laufen muss, um etwas zu essen zu finden. Rund 20 Händler habe er in diesem Jahr ablehnen müssen, entweder, weil die Qualität nicht gestimmt habe oder Angebote sich zu häufig gedoppelt hätten.

Auf welchen der Stände er sich am meisten freue? „Da kann ich mich gar nicht entscheiden“, sagt Kleinofen. „Das wäre auch unfair den anderen gegenüber“, fügt Ordungsamtsleiter Michael Steckel hinzu. „Die Mischung macht’s.“ Neu sind allerdings die beiden Anbieter für Mystery-Boxen, einer am Viehmarkt und einer an der Kuhstraße.

Daniel Said bot mit Geschäftspartner Emre Arsal Mystery-Boxen an.

Foto: Theresa Szorek

Wer bei Daniel Said, der mit seinem Geschäftspartner Emre Arsal an der Kuhstraße einen Stand betreibt, einkauft, weiß nicht, was ihn erwartet. „Wir haben Boxen in den Kategorien Haushalt, Beauty und Multimedia“, sagt er. Schon beim Weihnachtsmarkt war er dabei, dort kamen die Boxen gut an. In jedem Karton sind mindestens zwei Produkte, eines davon elektronisch. In einer Beauty-Box für 25 Euro könne sich zum Beispiel ein Glätteisen und ein Gesichtsmassage-Stein verbergen. „Wir garantieren einen Mehrwert und dass die Ware neu ist, wir bieten keine Retouren an“, sagt Said. Der Stand am Viehmarkt setzt hingegen genau darauf und bietet seine Boxen auch als besonderen Gag für Partys und Geburtstage an.

Dass der Markt besondere Händler anzieht, ist kein Zufall. Er gehört nicht nur zu den größten der Region, sondern auch zu den ältesten. Im Jahr 1444 wurde der Halbfastenmarkt erstmals urkundlich erwähnt. Er findet traditionell am dritten Dienstag in der Fastenzeit statt. Und wie bereits erwähnt, geht es nicht nur um die Produkte, sondern auch um das Erlebnis.

Das weiß auch Gustav Pavlou, von Haus aus eigentlich Ballonkünstler, der auf dem Buttermarkt eine kleine Kuriosität verkauft: einen Nadel-Einfädler. „Der wurde in den Dreißigern patentiert“, erzählt er den Zuschauern, die sich um seinen Tisch geschart haben. Passend dazu ist sein Stand ganz im Vintage-Look gehalten, antike Nähmaschine inklusive. Er selbst trägt einen Zylinder. „Das mit dem Einfädeln kriege ich aber zu Hause bestimmt nicht hin“, sagt eine Frau zu ihrer Freundin. „Probieren sie es doch einfach aus“, sagt Pavlou und reicht ihr einen Faden. Tatsächlich klappt es beim ersten Anlauf. Bei QVC geht so was nicht.