Mönchengladbach. Endlich mal ein freier Tag. Bei den heißen Temperaturen freut sich Albert Dickers (44), nicht in die Schreinerei zu müssen. Er sitzt mit seiner Mitbewohnerin Ilse Borgerdts (65) zusammen und tüftelt an einem Puzzle.
Der fröhliche Mann ist Bewohner einer der Wohnstätten der "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung." Der Verein engagiert sich dafür, dass behinderte Menschen einen geregelten Alltag haben, in dem sie sich nicht von gesunden Menschen abgrenzen. Und zu einem solchen Alltag gehört es natürlich auch, seine Brötchen selbst zu verdienen.
Albert Dickers stellt in einer Schreinerei Paletten her. "Es wird sehr anspruchsvolle Arbeit geleistet", räumt Vereinsvorstand Robert Jansen mit Vorurteilen auf. Früh am Morgen wird Dickers abgeholt, zur Arbeit gefahren und schneidet und stapelt die Palette, bis es am Nachmittag Feierabendzeit ist.
Damit er sich nach der Arbeit nicht langweilt, hat sich die Lebenshilfe ein großes Freizeitprogramm ausgedacht. Dickers spielt Hockey und geht ins Fitnessstudio, um sich fit zu halten.
Seit mehr als zehn Jahren lebt der geistig behinderte Mann nun schon in der Wohnstätte in Wickrath - einer von vieren in Mönchengladbach.
Insgesamt 100 Bewohner befinden sich in stationärer Behandlung. Das Leitbild des Vereins ist das Normalisierungsprinzip. "Die Bewohner sind in ihrem Leben meist betüttelt und verschont worden. Wir wollen ihnen helfen, selbstständig zu sein", sagt Mitarbeiterin Dorothee Schepers-Claßen.
Jetzt können sie sogar ihre kreative Ader ausleben. In einer kleinen Zeitung, die ab sofort kostenlos verteilt wird, können die behinderten Menschen selbst schreiben - über Themen, die sie interessieren.
Da steht - wie bei vielen Gladbachern - die Borussia ganz oben auf der Liste. Also geht es um den heißersehnten Aufstieg des Clubs auch auf Seite 1 des Heftes.
Mitarbeiter Michael Häring will vor allem, dass Behinderte als normale Menschen betrachtet werden: "Es herrscht zu große Unkenntnis. Viele Menschen haben Angst, mit Behinderten in Kontakt zu treten, weil die angeblich anders sind. Daran wollen wir arbeiten."