Stundenlange Wartezeit So wurde die Bahn-Rückreise nach Wuppertal für ihn zum Horrortrip

Wuppertal · Rollstuhlfahrer Khaled Meteri muss wegen defekter Aufzüge stundenlang auf Bahnsteigen auf Hilfe warten. Die Bahn spricht von hoher Verfügbarkeit der Lifts an Bahnhöfen in NRW.

Khaled Meteri ist beim Reisen auf funktionierende Aufzüge dringend angewiesen.

Foto: Matthi Rosenkranz

Eigentlich hätte es ein schöner Ausflug nach Köln werden sollen, doch was Khaled Meteri bei seiner Rückfahrt mit der Bahn nach Wuppertal erlebte, glich doch eher einem Horrortrip. Der 39-Jährige, der wegen Muskelschwunds auf den Rollstuhl angewiesen ist, strandete zunächst gegen Mitternacht am Hauptbahnhof Wuppertal und mit etwa einstündiger Verspätung noch einmal am Bahnhof Oberbarmen. In beiden Fällen kam Meteri nach Ankunft der Züge mit seinem Rollstuhl nicht vom Bahnsteig in den Bahnhof, weil jeweils der Aufzug den Dienst versagte. In seiner Not wandte er sich an die Feuerwehr. Sechs Einsatzkräfte trugen ihn dann in Oberbarmen mit einer Trage eine Treppe hinauf.

„Es leben hier doch viele Menschen mit Handicap“

Der Vorfall ereignete sich bereits am zweiten Februar-Wochenende, doch Meteri kann weiterhin nicht verstehen, dass die Deutsche Bahn nicht dafür sorgt, dass Reisende mit Handicap von A nach B fahren können, ohne an irgendeinem Bahnsteig stundenlang zu stranden. „Es leben hier doch viele Menschen mit Handicap“, sagt Meteri.

Probleme mit der Bahn sei er als Mensch mit Behinderung zwar gewöhnt, doch das jüngste Erlebnis sei „das schlimmste“, das er jemals hatte. Bis er zu Hause in seiner Wohnung in Barmen ankam, sei es 3.30 Uhr gewesen. Anfang Februar war das Wetter zudem noch deutlich kühler als jetzt. „Ein oder zwei Stunden länger und ich wäre im Krankenhaus gelandet“, ist er sich sicher.

Ausgangspunkt des ganzen Dramas war der Umstand, dass der Aufzug auf dem Bahnsteig, an dem Meteri mit seiner Schwester am Hauptbahnhof ankam, nicht funktionierte. Ein junger Mann habe sich zwar angeboten, mit anderen den Rollstuhl herunterzutragen. „Das wollte ich aber nicht, da ich Angst hatte, aus dem Rollstuhl zu fallen und mich zu verletzen“, erzählt Meteri. Auf telefonische Nachfrage bei der Hotline der Bahn sowie einer Rücksprache mit dem Lokführer erhielten die beiden die Info, dass sie am Bahnhof Oberbarmen aussteigen und dort mit einem Aufzug hochfahren und den Bahnhof verlassen könnten. Leider war diese Aussage falsch: Wegen eines Wasserschadens funktioniert der dortige Aufzug derzeit nicht.

Mittlerweile war es 1 Uhr in der Nacht, als Meteri und seine Schwester feststellen durften, dass es auch an dieser Stelle nicht weitergeht. In seiner Verzweiflung wandte sich der Rollstuhlfahrer an die Feuerwehr, die sich nach seinen Angaben allerdings zunächst nicht zuständig fühlte und an die Bahn als Verantwortliche für den Notstand verwies. „Erst als ich sagte: ‚Ich habe Herzprobleme und nehme Medikamente!‘, hat sich die Feuerwehr bereit erklärt, mir zu helfen“, berichtet Meteri. Bis dahin habe er allerdings etwa zwei Stunden auf dem zugigen Bahnsteig in Oberbarmen verbringen müssen.

Deutsche Bahn verweist Reisende auf Internetseite

Die Deutsche Bahn AG bedauert den Vorfall und empfiehlt, dass jeder Reisende über die Internetseite www.bahnhof.de die Verfügbarkeit von Aufzügen an Bahnhöfen überprüfen könne. Sollte ein Aufzug nicht funktionieren, würde dies über das Diagnose-Tool ADAM (Ausbau Digitalisierung Anlagenmanagement) automatisch gemeldet, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Reparaturen sollen so schnell in die Wege geleitet werden.

Im Übrigen verweist der Sprecher gegenüber der WZ auf „eine sehr hohe Verfügbarkeit von rund 97 Prozent“ bei den Aufzügen an den Bahnhöfen in NRW. Dass der Aufzug am Bahnhof Oberbarmen aktuell nicht zur Verfügung steht, räumt er allerdings ein. Aufgrund eines Wassereinbruchs könne der Aufzug derzeit nicht genutzt werden, soll jedoch in den kommenden Tagen wieder in Betrieb gehen.

Khaled Meteri hatte seinem Ärger auf Facebook und Instagram Luft gemacht und viele Reaktionen erhalten. Er finde es schade, dass man als Mensch mit einem Handicap ohne große Planung nichts unternehmen kann. „Es ist schon traurig, dass man nicht kurzfristig mal irgendwo hinfahren kann.“ Ihm sitzt der Schrecken so in den Gliedern, dass er in den kommenden Wochen keine weiten Reisen unternehmen möchte.