Berlin. Im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, in dem Philipp Mißfelder seit fünf Jahren sitzt, gehört er zu den ruhigen und sachlichen Vertretern. Innenpolitisch und innerparteilich ist dem 31-jährigen Wissenschaftshistoriker diplomatische Rücksichtnahme eher fremd: Er hat mit seiner Forderung nach einem vorgezogenen Parteitag der CDU zur Euro-Finanzkrise viel Staub aufgewirbelt.
Dabei ist er sich darüber im Klaren, dass es ein Extratreffen nur geben kann, wenn mindestens ein Drittel der CDU-Landesverbände sich diesem Anliegen anschließen. Das ist nicht zu erwarten. Aber mit diesem Querschuss hat er die Unzufriedenheit dokumentiert, die an der CDU-Basis herrscht.
Im Vorfeld der Bundestagsentscheidung über die Unterstützung Griechenlands und die dauerhafte Einrichtung des Euro-Rettungsschirms meinte der Politiker: „Die Partei hat ein Recht darauf, an folgenschweren Entscheidungen beteiligt zu werden.“ Der reguläre Parteitag soll im November in Leipzig stattfinden und sich — so der Plan — mit der Bildungspolitik beschäftigen.
Auf einem außerordentlichen Parteitag würde der von der schwarz-gelben Koalition beschlossene Atomausstieg thematisiert werden. Es sammelt sich Unmut über die „Prinzipienlosigkeit der Kanzlerin“ — all dies würde auch angesichts der deprimierenden Demoskopie-Werte zur Sprache kommen.
An Mißfelder wurde einst kritisiert, dass er sich mit rabiaten Forderungen im Ton vergreift, aber „den Nerv“ trifft. Vor acht Jahren tat der damals 24-jährige Chef der Jungen Union eine umstrittene Äußerung: Angesichts der finanziellen Probleme der Sozialversicherungskassen halte er nichts davon, „wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“.
Der Politiker distanzierte sich später — und es wurde ihm sogar bescheinigt, sich vom „Rentnerschreck zum Hoffnungsträger“ gewandelt zu haben.