„Diejungen Leute hier wollen Rock sehen.“
Die Konzerte in den autoritärregierten Ex-Sowjetrepubliken kosteten keinen Eintritt.„Es ist schon ein politisches Statement, dass wir überhaupt hiersind“, sagte Campino, der bürgerlich Andreas Frege heißt. „Das istauch eine Art, ein System auszuhöhlen. Aber Du musst Dich immerfragen, wie viel Öl Du dabei ins Feuer kippst.“
So wurde dem fürwilde Sprünge ins Publikum bekannte Frontmann etwa untersagt, dasPublikum zum Tanzen aufzufordern. Alkohol war verboten, hinter derBühne stand ein Zensurbeauftragter. „Der ist schon ausgerastet, alsich mir bloß das Hemd ausgezogen habe“, erzählte Campino.
Neben 3500 Zuschauern waren zum Beispiel in der usbekischenHauptstadt Taschkent auch etwa 600 Sicherheitskräfte im Saal. „Diehatten Sorge, dass wir ihre Jugend infizieren könnten“, sagte derSänger. „Wenn Leute abgeführt worden wären, hätten wir sofortabgebrochen.“ Vor allem einige Liedtexte seien heftig. Die Bandkritisiert in ihren Songs oft die Staatsmacht und die Autoritäten.
Hilfe bei Organisation und Planung erhielten die Toten Hosen vomAuswärtigen Amt sowie den deutschen Botschaften. Das Konzert in derkasachischen Hauptstadt Astana war der Auftakt des Deutschlandjahresin Kasachstan mit zahlreichen Veranstaltungen. Nur von einemgeplanten Auftritt in Kirgistan wurde den Düsseldorfern wegen dergefährlichen Lage im Land abgeraten.
„Zu den Konzerten sind Punks aus dem ganzen Land über hunderteKilometer weit extra angereist“, war Campino von der Freundlichkeitder Zentralasiaten begeistert. Außerdem waren etwa 30 Fans ausDeutschland mit dabei. Die Band reist weiter in die Türkei, bevor eszum Abschluss der „Schall und Rauch Tour“ noch nach Jordanien - „Dadürfen wir zu den Gebetszeiten keinen Soundcheck machen“, erzählteCampino - sowie nach Israel und schließlich Polen geht.