Verband sieht weiteren Anstieg Der Bau-Boom bleibt trotz gestiegener Kosten

Leverkusen. · Susanne Trösser vom Immobilienverband IVD-West erklärt, warum der Trend 2020 anhält.

 Nicht nur die Wohnungsgesellschaft Leverkusen baut kräftig – wie hier an der Sandstraße.

Nicht nur die Wohnungsgesellschaft Leverkusen baut kräftig – wie hier an der Sandstraße.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Der Immobilienmarkt in Leverkusen brummt. Auch bei den Mieten zeigt die Tendenz leicht nach oben. „Die Mieten und Immobilienpreise haben sich erhöht, weil die Grundstücks- und Baukosten stark gestiegen sind“, erläutert Immobilienmaklerin Susanne Trösser. Sie ist Geschäftsführerin der RIS Rheinischer Immobilienservice in Leverkusen und Vorstandsmitglied des Immobilienverbands IVD-West. Zwischen 2008 und 2018 erhöhten sich im Bundesschnitt die Baukosten, also die Ausgaben für Handwerkerleistungen, Materialien und höhere Energieeffizienz, um 24,3 Prozent. Diese größeren Baukosten müssten entsprechend an die Mieter und Käufer weitergegeben werden. „Gleichzeitig sind aber die Nebenkosten durch die bessere Gebäudedämmung und Heiztechnik sehr viel geringer als bei Bestandsgebäuden“, gibt Trösser zu bedenken.

Wie entwickeln sich Immobilienmarkt und Mieten?

Die Preise für gebrauchte Immobilien und Mietwohnungen sind im Laufe des Jahres in Leverkusen leicht gestiegen: Je nach Lage und Ausstattung erhöhten sich die Kaltmieten zwischen zwei und vier Prozent. So stiegen die Kaltmieten für Bestandswohnungen in mittelguten Lagen von sechs auf 6,20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche (plus drei Prozent); in guten Lagen von sieben auf 7,20 Euro. Die Mieten im Neubau-Erstbezug kletterten hingegen um bis zu sechs Prozent. Betroffen sind davon sehr gute Lagen wie Schlebusch oder Hitdorf, wo man anstatt neun Euro mittlerweile im Schnitt 9,50 Euro einrechnen muss. Für Premiumwohnungen liegen die Mieten bei über zehn Euro. Ähnlich sei das Bild bei Reihenmittelhäusern. Die Kosten für gebrauchte Objekte erhöhten sich, je nach Alter, Lage und Ausstattung des Hauses um vier bis acht Prozent. Bei Neubauten lagen die Erhöhungen in den zurückliegenden Monaten bei etwa zehn Prozent. Aktuell muss man für ein neues Reihenmittelhaus etwa 370 000 Euro einrechnen. In mittelguten Lagen muss man für ein gebrauchtes Reihenmittelhaus dagegen etwa 260 000 Euro einplanen (plus vier Prozent). Dies geht aus dem Preisspiegel des Immobilienverbands IVD-West hervor.

Was unternimmt die Stadt, um den Wohnungsmarkt zu beleben?

Um die steigende Wohnraumnachfrage zu befriedigen, kurbelt die Stadt seit einigen Jahren den Neubau an. Alleine zwischen Januar und September 2019 erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen um 210 Prozent. So wurden nach Angaben des statistischen Landesamts 80 statt 23 Einfamilienhäuser genehmigt (plus 248 Prozent) und 36 anstatt elf Mehrfamilienhäuser (plus 227 Prozent). Die Zahl der neuen Wohnungen wuchs damit insgesamt von 184 auf 537 genehmigte Wohneinheiten (plus 192 Prozent). Ein Teil davon entfällt auf die aktuellen Vorhaben der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL), die derzeit 242 Wohnungen plant und baut. Aber auch viele Projekte kleiner und großer privater Bauträgerfirmen führten zu dieser hohen Quote.

Welche Faktoren
behindern die Entwicklung?

„Ein wachsendes Problem bei der Realisierung der Baumaßnahmen stellt der Personalmangel am Bau dar“, sagt Trösser. Die Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung der Wohnungen werde immer länger. So verdoppelte sich zwischen 2008 und 2018 die Zahl der Bauaufträge. Das Personal konnte allerdings nur um 25 Prozent erhöht werden. „Diese Verschleppung der Fertigstellungen wird sich vermutlich in den nächsten Jahren weiter verstärken“, erwartet die Immobilienexpertin.

Ist ein Ende des Booms bei Büro- und Gewerbeimmobilien in Sicht?

Trösser ist überzeugt, dass auch die geplanten Büroflächen leicht vermittelbar sind. Gleichzeitig mahnt die Expertin, die Planung weiterer Flächen in Angriff zu nehmen. Denn viele Unternehmen suchen neue Flächen, besonders begehrt sind Neubauten, die für die Mitarbeiter gut mit Bus und Bahn erreichbar sind. Die Nachfrage komme dabei nicht nur aus der Chemiestadt selbst, sondern zunehmend aus umliegenden Großstädten wie Düsseldorf und Köln. Dort seien nahezu keine vakanten Büroflächen am Markt vorhanden, weshalb immer mehr Firmen ihren Suchradius nach Leverkusen ausweiten. bu