Die Nachrichtenlage rund um das Thema Zölle überschlägt sich. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften dazu aus den USA. Doch was bedeutet das eigentlich für die Unternehmen im Bergischen? Wie groß ist die Sorge der Betriebe vor einem Handelskrieg. In der aktuellen Folge des Bergischen Konjunkturpodcasts, den die Westdeutsche Zeitung in Zusammenarbeit mit dem regionalen Konjunkturbarometer macht, berichten Natalie Mekelburger, Chefin des Automobilzulieferers Coroplast, und Jörg Puslat, Bereichsleiter Kompetenzcenter Finanzen und Leasing bei der Stadtsparkasse Wuppertal, über ihre Sicht auf die Wirtschaftslage und wie sie in die Zukunft blicken.
Jedes fünfte Unternehmen, sprich 19 Prozent der Betriebe im bergischen Städtedreieck, erwarten erhebliche Einbußen, durch Strafzölle aus den USA. Das hat die aktuelle Umfrage des Regionalen Konjunkturbarometers ergeben. „Gleichzeitig versuchen ebenfalls 19 Prozent der Unternehmen, ihre Produktionskapazitäten in Europa auszubauen. Das heißt, sie versuchen, lokale Märkte besser zu bedienen und damit weniger abhängig von Exporten in die USA zu sein“, erklärt Markus Doumet im Podcast, der gemeinsam mit Andre Betzer von der Uni Wuppertal das Barometer erstellt. Die Unternehmen wurden zudem befragt, inwieweit sie sich Gedanken über eine Verlagerung ihrer Produktionsstätte in die USA machen. „Das ist ja tatsächlich eine Forderung oder eine Zielsetzung der aktuellen US-Administration, dass Waren, die für den US-Markt vorgesehen sind, eher in den USA produziert werden sollen. Hier sehen wir allerdings keine klare Tendenz, weil lediglich zwei Prozent der befragten Unternehmen überhaupt prüfen, ob eine Verlagerung von Produktionsstätten in die USA möglich ist“, so Doumet weiter.
Der Wuppertaler Automobilzulieferer Coroplast hat sich bereits in den vergangenen Jahrzehnten breit international aufgestellt mit Sitzen unter anderem in Polen, China, Tunesien, Mexiko und auch in den USA. „Ich komme aus der Zeit der Globalisierung, was übrigens wunderbar war. Ich habe als junge Frau angefangen und die Welt stand offen und sie hat uns auch gerufen. Und es ist natürlich so, die Automobilindustrie ist sehr global geworden, hat im Grunde genommen alle Kontinente besetzt und es war eine logische Folge, dass man als Zulieferer mitgeht, um die Märkte mit zu erobern. Das war jetzt keine Standortflucht, sondern das waren Chancen. Und die haben interessanterweise auch immer dazu geführt, dass unser Standort in Deutschland damit immer stärker wurde“, sagt Natalie Mekelburger.
Das Thema Zölle beschäftige Coroplast nicht erst seit Donald Trump, sondern schon lange auch in Bezug auf China. Natürlich behalte sie die Lage im Blick und es müssten gegebenenfalls auch Ausweichmöglichkeiten, wie den Ausbau der Produktion in den USA geben, aber: „Jeden Tag gibt es andere Informationen und wir können nicht jeden Tag reagieren und wir werden auch keine Übersprunghandlung in Gang setzen, sondern werden strategisch beobachten. Dadurch zeichnet sich der Mittelstand aus. Wie die Lösungen im Einzelnen aussehen, das erarbeiten wir, zum Teil haben wir das auch schon. Aber insgesamt wird es für Deutschland sehr, sehr schwierig als Exportland. Aber als einzelnes Unternehmen Coroplast werden wir Lösungen finden“, so Natalie Mekelburger. Sie richte sich darauf ein, dass die kommenden Jahre schwierig werden, Hoffnung habe sie aber immer: „Ich bin Unternehmerin, ich verliere keine Hoffnung und ich habe in meinem Leben auch für die schwierigsten Situationen am Ende immer eine Lösung gefunden und nicht nur ich, sondern wir im Unternehmen, in unserer Geschäftsführung.“
Die Bergischen Unternehmen hätten in der Vergangenheit gezeigt, dass sie auf solche Situationen flexibel reagieren könnten, sagt Jörg Puslat von der Stadtsparkasse Wuppertal. „Insgesamt ist das definitiv keine erfreuliche Entwicklung. Deutschland ist ein Exportland und das merken wir bei unseren Kunden auch. Wir haben aber auch viele Kunden, die ihren Standort schon in den USA haben und daher eben nicht so primär getroffen sind.“
Die Betriebe seien durch Corona, Energie-Krise und andere schwierige Zeiten krisenerprobt und hätten immer gezeigt, dass sie sich unter veränderten Rahmenbedingung neu ausrichten und weiterentwickeln können. Schon jetzt würden sich die Kunden auch mit dem Thema beschäftigen, sich andere Märkte und Branchen zu erschließen. Das Thema Rüstung, was momentan bei vielen Unternehmen als alternativer Markt im Gespräch ist, sei allerdings bei der Stadtsparkasse noch nicht angekommen.
Die ausführlichen Gespräche sind ab heute im Bergischen Konjunkturpodcast zu hören.