Berlin. Vor der mit bunten Graffities besprühten Fassade rennen rund 300 Grundschüler über den Schulhof. Türkische und arabische Wortfetzen dringen zum Bürgersteig herüber - neun von zehn Schüler haben ausländische Wurzeln.
Das soll sich ändern. Daher wird die Berliner Gustav-Falke-Grundschule zum kommenden Schuljahr als erste in Deutschland eine Klasse einrichten, die ausschließlich Kinder mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen besuchen dürfen.
Die Schule liegt im Ortsteil Wedding, der zum Bezirk Mitte gehört. Er wird von vielen Migranten, sozial Schwächeren und Personen mit geringem Einkommen bewohnt. Der Ausländeranteil liegt im Wedding bei rund 32 Prozent. Es ist der Problemkiez in der Hauptstadt.
Die Straße, an der die Schule liegt, gilt im Wedding als Nationalitäten-Grenze. Auf der Schul-Seite wohnen die Migranten-Eltern, dort reihen sich arabische Cafés und Second-Hand-Geschäfte aneinander.
Auf der anderen Seite wohnen die, die in Berlin auch die "biodeutschen Eltern" genannt werden. Dort liegen die wundervoll sanierten Altbauten mit prächtigen Stuckdecken und beeindruckenden Fassaden.
Diese Eltern tun alles, um ihre Kinder nicht in die Schule auf der anderen Straßenseite schicken zu müssen. Für die Schule ist das inzwischen zu einem ernsten Problem geworden, da sie nun befürchtet, in die Ghetto-Falle zu geraten.
Mit ihrem jetzt vorgestellten Klassen-Konzept und der Deutsch-Garantie will sie "der Gefahr entkommen, eine ganze Generation zu verlieren", sagt Eduard Heußen, Koordinator des Bildungsverbundes im Viertel und mit an der Umsetzung des Projekts beteiligt.
Neben viel Zustimmung gibt es aber auch Kritik. Daher beeilt sich Schulleiterin Karin Müller zu versichern, dass die Klasse keine "Elite-Klasse" sein soll.
"Wir wollen allen Kindern die Welt so zeigen, wie sie wirklich ist." Natürlich seien auch Einwandererkinder erwünscht, es werde nicht nach Ethnie ausgewählt, sondern nach Sprachkompetenz. Von Anfang an soll es auch gemeinsame Projekte mit den anderen Klassen geben.
Unterstützung bekommt die Schule aus der Politik des Landes Berlin. Die Senatsbildungsverwaltung unterstützt das Vorhaben, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßt die "zukunftsweisende Initiative".
Viele Politiker werden dabei jedoch auch an die scharfen Worte von Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin erinnert, der die Integrationspolitik Berlins als "gescheitert" bezeichnet hatte.
Eine Empfehlung für das Modell Wedding kommt auch vom Landeselternausschuss. Der em-pfiehlt das Konzept auch anderen Schulen in sozialen Brennpunkten, damit sich die Schülerschaft sozial durchmische.
Problematisch hingegen findet Neuköllns SPD-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky das Vorhaben. Eine Klasse für deutschsprachige Schüler sei "doktern am Symptom, aber keine Lösung des Problems". Er sieht die Gefahr, dass bereits unter Grundschulkindern eine Auslese getroffen wird.