Schweinegrippe: Erneut Kritik am Impfstoff

Experte: Wirkverstärker ist überflüssig und birgt Risiken.

Düsseldorf/Halle. Kurz vor Beginn der Schweinegrippe-Impfaktion am 26. Oktober wirft der Virologe Alexander Kekulé der Bundesregierung vor, den falschen Impfstoff gegen die Schweinegrippe eingekauft zu haben.

Der Hallenser Universitätsprofessor sagt, dass "dieser Impfstoff einen Wirkverstärker mit erheblichen Nebenwirkungen" hat. Seiner Meinung nach sei es unnötig, dem Impfstoff diese Wirkverstärker beizumengen, "da auch Impfstoffe ohne Verstärker ausreichen".

"Schlauer war man bei der Bundeswehr. Für die Soldaten wurde klammheimlich ein Impfstoff bestellt, der wie die saisonale Grippeimpfung funktioniert und keinen Verstärker enthält", sagt Kekulé. Der Vorteil dieses klassischen Serums sei, dass es sich milliardenfach bewährt habe.

Der Schweinegrippe-Impfstoff besteht aus abgetöteten Viren. Um schnell viel Impfstoff herzustellen zu können, wird nicht das ganze Virus, sondern nur dessen Eiweiße genutzt. Damit dieser Wirkstoff dennoch seine volle Wirkung hat, werden den Dosen, die die Bevölkerung bekommt, die umstrittenen Verstärker beigemischt.

Das Paul-Ehrlich-Institut, verantwortlich für die Medikamenten-Zulassung, widerspricht Befürchtungen, dass diese Verstärker gefährlich sind. "Sie sind bereits erprobt und ihre Wirkung aus Millionen von saisonalen Grippe-Impfungen bekannt", sagt Susanne Stöcker.

Seine Thesen sieht der Hallenser Professor jedoch durch die jüngsten Veröffentlichungen der "Ständigen Impfkommission", einer unabhängigen Expertengruppe, bestätigt.

"Dort wird die Impfung zunächst nur für medizinisches Personal und dann für Menschen mit chronischen Krankheiten empfohlen." Professor Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten an der Uni Düsseldorf, kann die Einschätzung seines Hallenser Kollegen nicht teilen.

"Es ist erstaunlich, dass immer mehr über die Nebenwirkungen, als über den Nutzen gesprochen wird. Zudem kann ich keinen medizinischen Grund sehen, warum jemand mit der Impfung warten sollte."

Das Bundesgesundheitsministerium hat auf die kritischen Stimmen reagiert. So soll es ab Ende November für Schwangere einen Ersatzimpfstoff geben. Neuerungen gibt es auch bei Impfungen von Kindern. Sie sollen das Serum in einer geringeren Dosierung bekommen.