TK und IKK-Direkt fusionieren zu größter Krankenkasse Deutschlands

Die Versicherungen reagieren damit auf erwartete Umwälzungen durch den 2009 startenden Fonds. Die neue Kasse mit dem Namen TK solle rund 7,1 Millionen Menschen versichern.

Hamburg/Berlin. Die Techniker Krankenkasse (TK) und die IKK-Direkt wollen sich zum Start des Gesundheitsfonds zur größten Krankenkasse Deutschlands zusammenschließen. "Wir planen die Fusion zum 1. Januar 2009", sagte eine TK-Sprecherin am Mittwoch und bestätigte damit Berichte der "Bild-Zeitung" und des "Hamburger Abendblatts" (Donnerstag).

Die Versicherungen reagieren damit auf erwartete Umwälzungen durch den 2009 startenden Fonds. Die neue Kasse mit dem Namen TK solle rund 7,1 Millionen Menschen versichern. Die derzeit größte gesetzliche Krankenkassen Barmer hat 6,8 Millionen Versicherte.

"Durch die Fusion gewinnen wir eine bessere Marktposition", sagte TK-Chef Norbert Klusen der "Bild-Zeitung". "Dadurch verbessern wir unsere Chancen, keinen Zusatzbeitrag erheben zu müssen." Im "Hamburger Abendblatt" versicherte er, keiner der 2500 Arbeitsplätze in Hamburg werde wegfallen.

Für kleine Kassen sehe er in der Zukunft große Schwierigkeiten. "Dort, wo wir unternehmerische Freiheiten haben und selbst Verträge schließen können, lassen sich für die Versicherten noch Millionen einsparen, auch beispielsweise bei den Arzneimittelkosten."

Die IKK-Direkt habe bereits den Weg für den Zusammenschluss freigemacht, sagte die Sprecherin. "Der TK-Verwaltungsrat wird in der kommenden Woche über die Fusion entscheiden." Danach müsse noch das Bundesversicherungsamt seine Genehmigung geben.

Als "Antwort auf Gesundheitsfonds und Einheitsbeitrag" bezeichnete in der "Bild" der Vorstandsvorsitzende der in Kiel ansässigen IKK-Direkt, Ralf Hermes, den Zusammenschluss. "Der Einheitsbeitrag nimmt der IKK-Direkt ihren Preisvorteil. Darauf mussten wir reagieren."

Es handelt sich um die bislang größte kassenartenübergreifende Fusion. Mit der BKK mobil oil und der KEH Ersatzkasse hatten zum Jahresbeginn erstmals zwei Kassen diese Möglichkeit der jüngsten Gesundheitsreform wahrgenommen. Nun schließen sich eine Innungs- und eine Angestelltenkasse zusammen.

Die Zahl der derzeit noch rund 215 gesetzlichen Kassen wird sich nach Branchenschätzungen in den kommenden Jahren stark vermindern. Die zwei Dutzend größten Kassen haben heute einen Marktanteil von rund drei Viertel. Durch Gesundheitsfonds und neuen Finanzausgleich zwischen den Kassen bekommen Versicherungen künftig Zuschläge, wenn sie Versicherte mit ausgewählten 80 teuren, häufigen Krankheiten haben.

Folge: Kassen mit vielen jungen, gesunden Versicherten geraten in eine schlechtere Wettbewerbsposition gegenüber großen Versorgerkassen wie Barmer oder AOK. Zugleich gilt für alle Kassen künftig ein einheitlicher Beitragssatz.

Wenn die Kassen mit dem Beitrags- und Steuergeld, das sie aus dem Fonds zugewiesen bekommen, nicht auskommen, müssen sie Zusatzbeiträge erheben - was sie nach Möglichkeit vermeiden wollen.