(jj) Nach Jahren mit ständig steigenden Austrittszahlen ist der Höhepunkt dieser Welle offenbar überschritten. Beide großen christlichen Kirchen haben die Zahlen aus dem Jahr 2024 für das Stadtdekanat beziehungsweise den Kirchenkreis Düsseldorf ermittelt. Danach haben 3077 Katholiken ihre Kirche verlassen. Im Jahr 2023 waren es 5057 – ein signifikanter Rückgang um fast 40 Prozent. Etwas abgeschwächter stellt sich dieser Trend bei den Düsseldorfer Protestanten dar. Dort verließen 2128 (Vorjahr: 2878) Christen ihre Kirche – ein Rückgang von rund 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Stadtdechant Frank Heidkamp hatte zum Jahresbeginn vor voreiligen Schlüssen aus der sich damals bereits abzeichnenden Entwicklung gewarnt. „Die Welle ebbt ab, und das ist erfreulich, aber das Ganze ist damit noch lange nicht zu Ende“, sagte der Pfarrer von St. Lambertus. Entscheidend sei, Vertrauen bei den Menschen wiederzugewinnen. Und das sei kein Selbstläufer. „Wir müssen neue Glaubwürdigkeit schaffen“, sagte der Priester.
Tatsächlich gibt es in Düsseldorf immer weniger Christen, die einer der beiden großen Kirchen angehören. Ende Februar verzeichnete der evangelische Kirchenkreis nur noch 85 269 Mitglieder, bei den Katholiken waren es zum Jahreswechsel 147 648. Damit gehören nur noch rund 233 000 Düsseldorfer den beiden großen Konfessionen an. Das ist nur noch etwas mehr als ein Drittel der Einwohner. Allerdings liegt die Zahl der Christen etwas darüber, weil Angehörige bestimmter protestantischer Gemeinden, Alt-Katholiken und orthodoxe Christen noch hinzukommen. Zum Vergleich: 1961 hatte es bei rund 700 000 Einwohnern 293 000 Protestanten sowie 350 000 Katholiken in der Stadt gegeben – zusammen also mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends lebten noch 138 000 Protestanten (im Jahr 2000) sowie 200 000 Katholiken (2008) in der Stadt.
Neben den Austritten spielt beim Schrumpfungsprozess eine Rolle, dass deutlich mehr Christen sterben, als getauft werden. So verzeichnet das Stadtdekanat im vergangenen Jahr 1370 Bestattungen und 823 Taufen, und beim evangelischen Kirchenkreis stehen 377 Taufen 1532 Sterbefällen gegenüber. Neu-Eintritte und Wiederaufnahmen liegen dagegen in beiden Kirchen im zweistelligen Bereich (jeweils zwischen 17 und 82). Für Nachdenklichkeit dürfte bei den katholischen Seelsorgern die vom Erzbistum vorgenommene Zählung der Gottesdienstbesucher sorgen. Danach nahmen 2024 nur noch 10 053 Düsseldorfer Katholiken daran teil.