(dh) Er ist weder als Pilz, noch als Tier oder Pflanze zu identifizieren. Er kommt ohne „Hirn“ (Nervenzellen) aus, ist aber in der Wissenschaft für seine enorme Erinnerungskapazität bekannt. Die Rede ist vom Schleimpilz „Physarum polycephalum“, in der Forschung ist er als Problemlöser bekannt.
Die Künstlerin Enay Burger nutzt den Schleimpilz, um neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch und Umwelt zu werfen. Er dient ihr als Metapher für die Dynamik von Erinnerung und Wissen, die nicht statisch sind, sondern sich ständig verändern und anpassen. In ihrer Abschlussarbeit „Guided by Memories“ an der Kunstakademie Düsseldorf thematisierte die Meisterschülerin von Professor Gregor Schneider anhand des Schleimpilzes die Frage „Wie beeinflussen Erinnerungen die Ausbildung von Identität“?
Mit ihrem raumgreifenden gläsernen Labyrinth einer Soundinstallation überzeugte die 29-jährige Absolventin der Kunstakademie die Fachjury der Provinzial, die seit 1998 ein Jahr lang Nachwuchskünstler mit 1000 Euro monatlich unterstützt. Diese „Start-up-Hilfe“ soll den Absolventen der Akademie den Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn erleichtern, sagt Astrid Legge, Kuratorin Provinzial Versicherung und Mitglied der fünfköpfigen Jury für das Kunst-Stipendium am Standort Düsseldorf.
In diesem Jahr wurde der Preis geteilt. Denn die Experten, Julika Bosch (künstlerische Direktorin Sammlung Philara), Gereon Krebber (Künstler und Professor Kunstakademie Düsseldorf), Astrid Legge, Marcel Schumacher (Direktor Kunsthaus NRW Aachen-Kornelimünster) und Agnieszka Skolimowska (Kuratorin K21 Ständehaus), bewerteten eine zweite Künstlerin – Magdalena Frauenberg, Meisterschülerin von Professor Alexandra Bircken – gleich gut. Die gebürtige Tirolerin schöpft bei ihren am Computer collagierten 3-D-Scans-Figuren aus den Bräuchen und volkstümlichen Ritualen ihres Heimatlandes. Sie hinterfragt so die dort verankerten Geschlechterrollen sowie deren Einfluss auf die gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen. Zusätzlich zum Stipendium in Höhe von jeweils 6000 Euro erhalten die Preisträgerinnen ein kostenfreies Jahresabo für die Nutzung der Kunstmanagement-Software Artbutler Next.