Haaner Bürger wollen Gärten behalten

Anlieger des Wohngebietes Stöcken sammeln bereits Unterschriften gegen eine Bebauung.

Foto: Staschik/Fries

Haan. Der Garten von Susanne Schaub an der Straße Horst ist eine Augenweide. Überall gibt es liebevoll gestaltete Details im Landhausstil zu entdecken, die aus dem Ensemble von Fachwerkhaus und Garten ein wahres Kleinod machen. Doch diese Idylle sehen nun nicht nur sie, sondern insgesamt 37 Anwohner gefährdet: Hinter den Häusern der Kölner Straße 13 und 13a, quasi in zweiter Reihe, errichten Bauarbeiter zurzeit ein Vier-Familienhaus. Susanne Schaub und ihre Nachbarn haben Angst, dass damit ein Beispielfall geschaffen wird: „Letztlich ist das ein Klotz hier im Gartengelände. Wenn das jetzt hier Schule macht, dass in der zweiten Reihe höher gebaut werden darf als in der ersten, wo soll das noch gestoppt werden?“

Foto: Staschik/Fries

Sie hat Sorge, dass nun einzelne Eigentümer der umliegenden Häuser nachziehen könnten und auch ihr Gartenland zu Bauland machen. Dabei handele es sich zurzeit noch „um einen großzügig zusammenhängenden Grünbereich, eine Oase für die Tierwelt“, sagt sie.

Tatsächlich ist der Grünzug, den die Gärten hinter Horststraße und Horst, Kölner und Thienhausener Straße inmitten Haans Innenstadt bilden, überraschend groß. Einige nutzen die Flächen als kleine Schrebergärten. Knorrige Obstbäume sind zu sehen, mehrere Hähne krähen. 37 Unterschriften haben die Anwohner bereits vor einiger Zeit an die Stadt mit Forderung um Erhalt dieser Fläche abgegeben. Allerdings zu spät: „Als die Unterschriften bei uns eingingen, war die Baugenehmigung schon erteilt“, sagt Planungsamtsleiter Peter Sangermann.

Um das Bauvorhaben hatte es im Vorfeld bereits Ärger gegeben — die Stadt hatte es zunächst wegen seiner zu großen Dimensionierung abgelehnt. Der Bauherr hatte daraufhin erfolgreich Klage eingelegt und sein Bauvorhaben kleiner gesetzt. Jetzt entsteht das neue Haus genau dort, wo einst eine kleine Druckerei stand. Die war gerade mal eingeschossig, kritisiert Schaub, während das weitaus höhere Mehrfamilienhaus die Gärten nun verschatten wird. Susanne Schaub weiß, dass sie gegen dieses Vorhaben wohl nichts mehr ausrichten kann. Doch sie appelliert an Verwaltung und Politik, die übrigen Gärten zu erhalten: „Warum rennen wir mit einem solchen Engagement bei der Stadt nicht offene Türen ein, wenn doch auch sie den Gartenstadt-Charakter erhalten beziehungsweise fördern will?“, fragt sie.

Derweil ist auch die andere Bürger-Initiative für das Gartenland rund um die Hofschaft Stöcken aktiv geworden. Wie einer ihrer Sprecher, Helmut Weber, berichtet, haben die Anwohner am Donnerstag 58 Erklärungen an das Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht übergeben, mit denen sie sich gegen den Bebauungsplan für den Bereich aussprechen und ankündigen, ihre Grundstücke nicht verkaufen zu wollen. Dazu gehört auch der Eigentümer des Grundstücks Luisenstraße 15, über dessen Grundstück die Zufahrt geplant ist.

Zitat aus den 58 großteils gleich lautenden Erklärungen: „Ich möchte, dass der Grüncharakter der Gartenstadt Haan erhalten bleibt.“ Die Anwohner des Stöcken betonen überdies, dass sie „für die Erhaltung der besonderen stadthistorischen Bedeutung und Beachtung der Belange des Umweltschutzes“ sind. Damit erhöht die Haaner Initiative „Rettet die Gartenstadt!“ nun ihren Druck. Sie hat womöglich mehr Glück: Erst am Donnerstag endete laut Sangermann die Öffentlichkeitsbeteiligung für das Verfahren. Der Protest der Bürger ging also fristgerecht bei der Stadt ein.