Grevel-Haus: Gemeinsam gut drauf

Im „Café Gut Drauf“ spielt es keine Rolle, ob jemand behindert ist oder nicht. Dort steht der Spaß im Mittelpunkt.

Monheim. Man riecht ihn schon im Foyer des Grevel-Hauses - den Geruch süßen Backwerks, das gerade im Ofen knusprig braun wird. Und man hört es auch schon, wenn man die Treppe in den Keller hinabsteigt - das Lachen von jemandem, der gerade lauthals Witze erzählt, die vielen durcheinander gehenden Unterhaltungen und das gelegentliche Klackern von Billardkugeln. Und natürlich die Musik, die aus den Lautsprechern schallt, die ist wichtig für die Atmosphäre. Unten angekommen, steht man dann plötzlich mitten in einem Pulk vieler verschiedener Menschen, mitten im "Cafe Gut Drauf".

"Schon gesehen? Wir backen heute Muffins", kommt Karsten ohne Umschweife zur Sache. Er hat eine Behinderung und ist schon seit vielen Jahren dabei, kommt nahezu jeden Donnerstag um Punkt 19 Uhr in das Johann-Wilhelm-Grevel-Haus und freut sich jede Woche auf das Programm, das ihn erwartet. Das "Café Gut Drauf" der Evangelischen Kirche unter der Leitung von Peter Rischard ist jedoch kein Behindertencafé, sondern hat sich dem integrativen Gedanken verschrieben. Willkommen ist hier jeder ab 16 Jahren mit oder ohne Handikap, der Kontakte knüpfen, seine Freizeit spaßig gestalten und einen schönen Abend genießen möchte. Man hilft sich, wenn es nötig ist, erwartet aber nicht, dass jeder alles und immer mitmachen kann. Möglich ist jedoch vieles, wird betont, und deshalb wird das meiste einfach ausprobiert.

So wie vergangene Woche, als es für alle zum Uefa-Fußballspiel ins Stadion nach Leverkusen ging. "Sechs Tore sind da gefallen! Wow, war das ein Spiel", ist Teilnehmerin Sabine immer noch begeistert. Den Muffinteig haben die etwa 15 Teilnehmer bereits vor einer Viertelstunde in die Förmchen gekleckst und in den Ofen geschoben.

Ungeduld macht sich breit. Besonders Henning kann es gar nicht schnell genug gehen. Er hat Hunger und trommelt mit den Fingern auf der Theke herum. Ein "Wann ist es denn endlich soweit?" kann nicht nur er sich nicht verkneifen.

Der 38-Jährige mit dem Down-Syndrom ist im "Café Gut Drauf" berühmt für seine legendären Karaoke-Auftritte, an die man sich gern erinnert: "Da hat er ‚Aber bitte mit Sahne’ geschmettert, das war einmalig", lacht Nadine Hellhammer (30), eine der etwa sechs Teamerinnen, die sich auf den Weg zum Ofen macht, um die fertigen Muffins zu holen.

Der Karaoke-Abend hat Tradition: Mindestens zweimal im Jahr findet er statt - und ist heiß begehrt. Ebenso die Radtouren, die Kino- und Theaterbesuche oder auch die Spieleabende. Manchmal steht das Wort "offen" auf dem Programmblatt, was bedeutet, dass man tut, worauf man Lust hat: Billard spielen, in den Hängematten hängen und sich unterhalten oder einfach nur Musik hören. Regelmäßige Freizeiten in den Ferien runden das Programm ab.

Öffnungszeiten: Das Café Gut Drauf findet jeden Donnerstag von 19 Uhr bis etwa 21 Uhr im Keller des Johann-Wilhelm-Grevel-Hauses, Falkenstraße, statt. Teilnehmen kann jeder mit oder ohne Handikap ab 16 Jahren. Ein Aufzug für Rollstuhlfahrer ist vorhanden.

Informationen: Mehr Infos über die Aktion gibt es bei Peter Rischard unter Telefon 275 76 17. Das aktuelle Programm zum Download: