Borussia: Wie sicher sind Busfahrer?

Nach den Krawallen wird das „Extrembeispiel“ in Schulungen der Shuttle-Lenker einbezogen. Polizeipräsident sagt zur Forderung der Gewerkschaft: Das muss man generell lösen.

Mönchengladbach. Leichenblasse Busfahrer-Kollegen hatte der Verkehrsinspektor des NVV-Fahrdienstes, Thomas Boß, nach den Krawallen rund um die Shuttle-Busse mit Kölner und Gladbacher Fans am Samstag nach Hause geschickt. Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt.

Bei Thomas Boß sitzen die Eindrücke immer noch tief: "Das war sehr krass für die Kollegen. Und ich habe so was in all den Jahren, in denen ich die Einsatzleitung mache, noch nicht erlebt." Trotzdem habe keiner der Fahrer der NVV und WestBus, die den Shuttledienst vor und nach Fußballspielen übernehmen, bisher angekündigt, solche Touren nicht mehr übernehmen zu wollen.

Für Boß ist aber eines klar: "Dieses Extrembeispiel, was alles passieren kann, werden wir in unsere Fahrerschulungen aufnehmen und bei allen Kollegen ansprechen." Zweimal im Jahr gibt es die Seminartage, hinzu kommen Veranstaltungen zu Themen wie "Umgang mit Fahrgästen".

Die Hauptregel für Krisensituationen wie sie am Wochenende von den Mitarbeitern am Lenkrad erlebt wurden, fasst Boß zusammen: "Handbremse rein, Schlüsse raus, wenn es geht, noch die Funkleitstelle informieren, dann in Sicherheit bringen."

Zwei der Fahrer, die am Samstag Köln-Anhänger transportierten und in die Krawalle gerieten, verließen schnellstens ihr Fahrzeug. Einer der beiden saß in dem Gefährt, aus dem alle Scheiben herausgeschlagen wurden.

"Ich gehe trotzdem davon aus, dass so etwas nicht wieder vorkommt", hofft Boß, "sollte das doch der Fall sein und Fahrer werden nicht entsprechend geschützt, würden wir die Fahrzeuge abstellen, bis alles wieder in den richtigen Bahnen läuft." Man müsse in erster Linie die eigenen Leute schützen. "Wir sind froh, dass ihnen nichts passiert ist. Das war wie Krieg."

Was die Polizei-Einsätze, wie in diesem Fall, angeht verlangt die Gewerkschaft der Polizei (GdP), dass sich Bundesliga-Vereine an den Einsätzen beteiligen, die WZ berichtete. Für Gladbachs Polizeipräsident Walter Büchsel ist diese Forderung nicht neu und trotzdem "verständlich, denn es geht immerhin um horrende Summen". Beispiel: Hundertschaft. Für ihren stundenlangen Dienst, Verpflegung usw. "seien mehrere 10 000 Euro nötig". Bislang zahlt das der Steuerzahler. Nur in seltenen Fällen werden die Überstunden der jungen Beamten mit Geld vergütet.

Büchsel sagt: "Wenn eine Kostenregelung, dann eine generelle für alle." Borussia sei aber "vorbildlich" beim Thema Vorbeugung, stelle 400 Ordner, eine Polizei-Stadion-Leitstelle, 37 Videokameras im Borussia-Park. "Und das bezahlen die alles."

Markus Aretz, VfL-Pressesprecher, bewertet das GdP-Verlangen als populistische Form, die man immer wieder höre. Die Gewerkschaft vergesse, dass die 36 Bundesligaclubs wichtige Steuerzahler seien. Allein 2007 mit rund 500 Millionen Euro. Auch bei anderen großen Events verlange man bei Polizeiauftritten keinen Kosten-Anteil.