Suchtberater betreuen Jugendliche in Düsseldorf „Wer Karneval feiert, hat eine Affinität zum Alkohol“
Düsseldorf · Zwei Experten von der Caritas betreuen junge Menschen, die zu viel getrunken haben, auch im Krankenhaus. Die Neigung zum Alkohol sei auch in der Tradition des Fests verankert, sagen sie.
Der Rettungsdienst baut an den Karnevalstagen drei Stationen für die medizinische Erstversorgung in der Altstadt auf – für Verletzte, aber auch für stark Betrunkene. Nicht nur Sanitäter sind dort im Einsatz. Suchtberater kümmern sich vor allem um Jugendliche und Heranwachsende, die zu viel Alkohol oder andere Drogen konsumiert haben, begleiten sie bei Bedarf ins Krankenhaus und beraten auch Eltern und Freunde.
Dahinter stecken das Projekt „Halt“ und das Suchtberatungsteam des Düsseldorfer Caritasverbandes um Petra Kindor. Zwei Suchtberater werden an den Karnevalstagen im Rathausinnenhof im Einsatz sein. Eine arbeitsreiche Zeit, denn insbesondere an Karneval schlagen viele – absichtlich oder ungewollt – über die Stränge. Das liegt auch in der Tradition dieses Festes, sagt Petra Kindor. „Wer Karneval feiert, hat tendenziell eher eine Affinität zum Alkohol.“ Das Feiern sei eng mit dem Trinken verbunden – Nein sagen falle da vielen schwer.
Darum haben die Suchtberater an Karneval häufig mit jungen Menschen zu tun, die Alkohol einfach nicht gewohnt sind, sagt Petra Kindor. Zudem trinken viele beim Straßenkarneval direkt aus der Flasche – das erschwere es, die Mengen einzuschätzen, so die Suchtberaterin. Vor allem beim Konsum von Hochprozentigem, im schlimmsten Fall gemischt mit Energydrinks.
Doch sie sagt auch: Die Jugendlichen, die an Karneval ihren ersten Absturz erleben, hätten meist den geringeren Beratungsbedarf. „Vielen ist so ein Absturz fürchterlich peinlich“, sagt Kindor. Die Suchtberater bieten in solchen Fällen Gespräche und „Risiko-Checks“ an. Dabei geben sie Tipps für den Umgang mit Alkohol, etwa vorher ausreichend zu essen und zwischendurch immer wieder Wasser zu trinken. Dazu kann aber auch gehören mit Freunden Regeln zu vereinbaren, um gegenseitig aufeinander aufzupassen.
Die Suchtberater unterliegen der Schweigepflicht. Die Jugendlichen entscheiden also selbst, ob die Eltern dabei sein dürfen oder ob es lieber getrennte Gespräche geben soll. Die Suchtberater haben in solchen Fällen häufig mit besorgten Eltern zu tun, die sie über das alterstypische Probierverhalten ihrer Kinder aufklären. „Es ist wichtig, in der Pubertät einen Umgang mit Alkohol zu entwickeln“, sagt Kindor.
Es komme aber auch vor, dass die Suchtberater in den Erstversorgungsstationen von regelmäßigen Abstürzen erfahren. Meist berichten das Freunde, die sich bereits Sorgen wegen des Trinkverhaltens machen, sagt Kindor. In solchen Fällen versuchen die Suchtberater, die Jugendlichen in einen längeren Beratungsprozess zu bewegen. Dann gelte es auch, die Gründe für den Konsum herauszufinden. Bei manchen sei es Druck, zum Beispiel in der Schule oder mit den Eltern, bei anderen Unterforderung und Langeweile. Zudem sind die Suchtberater mit Informationsveranstaltungen zu dem „Halt“-Projekt in Düsseldorfer Schulen unterwegs.
Dieses Jahr könnte auch der Umgang mit Cannabis verstärkt ein Thema sein, schätzt Petra Kindor. Denn es ist das erste Karneval seit der Legalisierung. Grundsätzlich habe sich am Konsumverhalten in der Jugend in den vergangenen Jahren aber wenig verändert, sagt die Suchtberaterin. Ein Effekt habe sich jedoch deutlich gezeigt: „Nach der Corona-Zeit haben die Jugendlichen Gas gegeben.“