Welche Rolle soll das Warenhaus Karstadt Galeria an der Schadowstraße in Zukunft spielen? Wie kann man nicht nur den Platz vor dem Kaufhaus attraktiver gestalten, sondern auch die Verbindung in Richtung Klosterstraße und Hauptbahnhof verbessern? Die Studierenden des sechsten Semesters am Studiengang Interior Design der Akademie Mode Design (AMD) sehen sich einer reizvollen Semesteraufgabe gegenüber, über die derzeit auch an vielen Stellen in der Stadt nachgedacht wird. Das Spannende: Die Chefetage des Kaufhauses unterstützt die Studierenden und hat sie jetzt zum Auftakttreffen eingeladen, und auch die Stadt schickte Mitarbeitende aus dem Planungs- und dem Wirtschaftsbereich, ebenso nahm ein IHK-Experte teil.
Die Szenerie am Morgen des Treffens in dieser Woche ist typisch für die Situation am Wehrhahn. Nach dem Motto „Irgendwo ist immer eine Baustelle“ ist zwar nach Jahren der Buddelei auf der Schadowstraße nun Ruhe, dafür ist angrenzend vor der Tür des ehemaligen Kaufhofs Tabula Rasa angesagt. Dort ist voll gesperrt, die Straße wird neu gemacht, inklusive der dort verlaufenden West-Ost-Radleitroute. Wenn das fertig ist, dauert es nur noch zwei Jahre, und dann beginnt der Abriss des Ex-Kaufhofs für den Neubau der Oper. Wenn der Kulturbau schließlich in zehn Jahren eröffnet ist, beginnt für diesen Teil der Innenstadt bestimmt eine goldene Zeit.
Da mag manchen Gebeutelten der Bauzeit der Zynismus überkommen. Allerdings dürfte die Schadowstraße nicht allzu extrem unter der Bauzeit der Oper leiden. Und die Straße erholt sich zusehends, wie auch Jens Lehnecke bestätigt. Der Geschäftsführer des Karstadt-Galeria-Hauses spricht von einer Verdopplung der Fußgängerfrequenz seit dem Ende des Umbaus.
Damit ist aber wenig gesagt, was das Potenzial der Straße insgesamt angeht. Der Architekt Felix Schwake ist der Studiendekan für Interior Design an der AMD. Er sagt, für ihn sei die Innenstadt mit einer funktionierenden Kaufhauswelt in der Erinnerung ein Sehnsuchtsort. Dazu passt, dass die Schadowstraße bis in die Neunzigerjahre hinein die höchste Passantenfrequenz der Einkaufsstraßen in Deutschland hatte.
Für die Studierenden ist dies beim Auftakttreffen eine erstaunliche Information. In ihrem Lebensalltag ist die Kreuzung Schadowstraße/Tonhallenstraße je nach Perspektive der Rand der Innenstadt, ein „Durchgangspunkt“ oder der Startpunkt, von dem aus es in Richtung Kö-Bogen II und Altstadt, wo es mehr Gastronomie gibt, geht. Schon bei dem „begrünten Kaufhaus“ jedoch gebe es eher die Marken, die für sie von Interesse seien, ist zu hören. Das Ingenhoven-Tal wird wegen der Nachhaltigkeit gelobt. Fast alle Studierenden sind schon einmal das begrünte Dreiecksgebäude hinaufgelaufen, einige haben die Bühne auf dem Gründgens-Platz besucht.
Das alles überrascht den Manager nicht. Er wünscht sich mehr und andere Gastronomie auf der Einkaufsmeile, auch mehr Grün ist in seinen Augen wünschenswert. „Wir fragen uns auch, wie wir mehr Familien auf die Straße bekommen können“, sagt Lehnecke. Er hätte nichts gegen einen Spielplatz auf dem Vorplatz, auch Marktstände seien eine Option für eine Belebung. Tatsächlich hat es so etwas in der Nähe schon gegeben, früher gab es einen Blumen- und einen Obsthändler am Tausendfüßler, auf dem Schadowplatz gab es zeitweilig mehrere Marktstände. Karstadt selbst könnte in der Adventszeit wieder einen großen Weihnachtsbaum aufstellen. Den gab es früher alljährlich in prachtvoller Ausführung, heute wäre er sicher ein beliebtes Fotomotiv.
Tarik Näscher vom Planungsdezernat und IHK-Verkehrsexperte Thomas Vieten nennen als eine Herausforderung auch eine bessere „Konnektivität“ des Kaufhauses zum Bahnhof hin. Die Tonhallenstraße wird nicht gerade als attraktiv empfunden, man hofft, dass sich dies im Zuge des Opern-Baus ändert. Dazu passt, dass der Karstadt-Seiteneingang nunmehr geschlossen ist, weil weniger als fünf Prozent der Kunden diesen nutzen. Vertreter von Karstadt Galeria, Stadt und IHK sind gespannt auf die Vorschläge der Studierenden und werden an einem weiteren Kolloquium teilnehmen.