(msc) „Die Gedanken sind frei“ – das alte Volkslied war allen 14 Anwesenden im Ohr, als sie sich jetzt auf den Tag genau 60 Jahre nach ihrer Entlassung aus der Katholischen Knabenvolksschule St. Tönis trafen. Das Lied hatten sie damals bei ihrer Entlassfeier gesungen – und es war uns von unserem damaligen Lehrer Oskar Jansen „mehr als penibel eingetrichtert“ worden, so Paul Schwinning, einer der insgesamt 41 ehemaligen Klassenkameraden.
Jetzt trafen sich 14 von ihnen zuerst im Heimathaus des Heimatbundes in St. Tönis, wo ein Film aus dem Jahr der Entlassung 1965 sowie Fotos und Videos aus vorangegangenen Klassentreffen gezeigt wurden. Danach ging es zur Gaststätte Boves, wo beim Bierchen alte Erinnerungen ausgetauscht wurden – zum Beispiel daran, als ein Klassenkamerad gefehlt hatte. Das Entschuldigungsschreiben lautete: „Liebes Fräulein Lehrerin, entschuldigen Sie bitte, dass mein Sohn gestern nicht in der Schule war. Ich bin mit ihm zur Kirmes nach Aldekerk gefahren. Er hätte aber sowieso nicht kommen können, da es ihm gar nicht gut war.“
Und dann war da Klaus, der eine Strafarbeit aufbekommen hatte. Er sah zwar ein, dass er sie verdient hatte – war aber verständlicherweise trotzdem nicht glücklich. Nach dem Unterricht ging er zur Lehrerin, sah sie mit flehenden Augen an und sagte: „Fräulein, könnten Sie mir nicht besser statt der Strafarbeit eine Tracht Prügel geben?“
Erinnerungen gab es auch an die Schluckimpfung: „Die Schulärztin war da. Wir waren nach dem Alphabet aufgestellt und warteten auf das Zuckerstückchen mit der Medizin“, so Paul Schwinning. Heinz entrüstet: „Das kann ich nicht begreifen, dass die die Schluckimpfung ausgerechnet in der Fastenzeit durchführen.“
Im Winter wurden Martinslieder gelernt. Die Lehrerin sagte: „Nun lernen wir ein Lied, das wird in einer anderen Sprache als heute üblich gesungen.“ In der Sprache hätten früher die Leute in St. Tönis gesprochen, sagte die Lehrerin. „Van Daach ös alles op de Been on et freut sech jruet on kleen“ heißt es in dem Lied. Willibert: „In der Sprache sprechen wir bei uns zu Hause heute noch!“