So zocken die Trickdiebe ab

Immer wieder fallen gerade ältere Menschen auf gewiefte Diebe herein. Die WZ warnt vor den gängigsten Abzock-Tricks.

Düsseldorf. Georg Schimmelpfennig ärgert sich über jeden einzelnen Fall von Trickdiebstahl. Denn anders als viele andere Straftaten, sagt der Polizist aus dem Kommissariat Vorbeugung, ist der Trickdiebstahl leicht mit ein bisschen gesunder Vorsicht zu verhindern. Auch wenn die Diebe gewieft sind: "Die Täter lassen sich ständig etwas Neues einfallen." Oft schämen sich die Opfer, auf die Masche der Langfinger hereingefallen zu sein - deshalb, glaubt Schimmelpfennig, werden bei Weitem nicht alle Taten zur Anzeige gebracht: "Wir vermuten eine hohe Dunkelziffer."

Tatsächlich ist es unglaublich, mit welch miesen Tricks die Diebe sich bereichern. "Wir haben keine Erkenntnisse, wie oft ein Trickdiebstahl misslingt", sagt Schimmelpfennig. "Fest steht, dass er immer wieder klappt. Und wir hatten schon gute fünfstellige Summen als Schaden."

In der nahen Zukunft vermutet der Experte eine steigende Zahl von Trickdiebstählen. Denn aufgrund der Finanzkrise dürften wieder vermehrt Menschen hohe Geldsummen zu Hause aufbewahren - ein Umstand, den Trickdiebe gut abzuschätzen wissen.

Während es den typischen Täter nicht gibt, gibt es das typische Opfer laut Schimmelpfennig sehr wohl: "Für die Diebe ist immer wichtig, dass das Opfer schwach wirkt - nicht wehrhaft." Nicht nur deshalb trifft es oft ältere Menschen. "Sie zahlen seltener bargeldlos", sagt Schimmelpfennig. Sie haben also eher hohe Geldbeträge in der Wohnung oder auf der Straße bei sich. Denn Trickdiebe kommen nicht nur an die Haustür - das allerdings sind die meisten Fälle von Trickdiebstahl.

1

Enkeltrick: Oft beobachten die Täter ihre potenziellen Opfer oder schauen im Telefonbuch nach, welcher Vorname klingt, als könnte sein Träger alt genug sein, um bereits Enkel zu haben. Dann ruft einer der Diebe - zumeist sind es mehrere - bei dem Opfer an und meldet sich undeutlich am Telefon. Fragt der Senior oder die Seniorin: "Bist du es, XY?", hat der Dieb den ersten Schritt geschafft. Er bejaht und erzählt eine Geschichte wie "Ich sitze hier fest und komme ohne Geld nicht weiter" oder "Ich habe ein tolles Angebot für ein neues Auto, aber das gilt nur heute". In der Regel holt ein Komplize das Geld beim Opfer ab.

Installateurstrick: Immer wieder geben sich Trickdiebe als Stadtwerker oder Installateure aus. Mögliche Masche: Der Dieb behauptet, in einer anderen Etage gebe es einen Wasserrohrbruch und er müsse nachschauen, ob die Leitungen noch in Ordnung seien.

Glas-Wasser-Trick: Der Dieb klingelt und sagt, ihm sei schlecht geworden. Er bittet um ein Glas Wasser, um das Opfer abzulenken und in die Wohnung zu gelangen. Wahlweise gibt der Täter auch vor, auf die Toilette zu müssen.

Zetteltrick: Der Dieb sagt, er wolle eigentlich zum Nachbarn, doch der sei nicht da. Er bittet um einen Zettel, um eine Nachricht hinterlassen zu können. Auch dieser Trick dient nur dazu, die Wohnungstür zu öffnen und das Opfer abzulenken.

Teppich- und Tüchertrick: Möglichst viel Verwirrung wollen die Trickdiebe mit dieser Masche stiften. Sie geben vor, an der Wohnungstür Teppiche oder Tücher zu verkaufen. Oft wird zur Präsentation der Ware sogar noch ein Tanz im Hausflur aufgeführt. In all dem Wirbel - oder im Schutz eines hochgehaltenen Teppichs - stiehlt sich ein Dieb in die Wohnung und mit den Wertsachen des Opfers wieder hinaus.

Senftrick: Ein scheinbar freundlicher Mensch kommt in der Innenstadt mit den Worten: "Sie sind ja ganz vollgeschmiert mit Senf!" heran und wischt an der Jacke herum. Oft hat ein Komplize das Opfer tatsächlich zuvor bekleckert. Neben dem Senf ist im Anschluss auch das Portemonnaie weg.

Wechseltrick: "Können Sie mir einen Zehner kleinmachen?" Diese harmlose Frage könnte von einem Trickdieb kommen. In den folgenden Sekunden wird so oft Geld hin- und hergewechselt, bis das Opfer schwer verwirrt und um einiges Geld ärmer ist.

Lederjackentrick: Dieser Trick ist quasi der Enkeltrick auf offener Straße. Der Dieb nähert sich einem potenziellen Opfer mit offensichtlicher Freude, dieses endlich wiederzusehen. "Weißt du noch, wir haben doch damals zusammen gearbeitet..." Der Dieb baut Vertrauen auf - dann will er sich Geld leihen. Als Pfand bietet er wertvolle Lederjacken, die er zufällig im Kofferraum hat. Und die sich später meist als wertloses Plastik erweisen.

"Vom Diebstahl zum Raub ist es nur ein kleiner Schritt", warnt Georg Schimmelpfennig. Wenn sich die Täter in die Enge gedrängt fühlten, könnten sie durchaus brutal reagieren. Vor allem, wenn es um viel Geld geht.

Autoverkäufer-Trick: Werden Autos oder Motorräder im Internet unschlagbar günstig zum Kauf angeboten, gilt: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist vielleicht auch nicht wahr. Besonders wenn bei einem Kontakt mit dem vermeintlichen Verkäufer dann erklärt wird, das Auto sei nur deshalb so billig, weil es bar bezahlt werden müsse.

Solche "Geschäfte" münden nicht selten in einen so genannten Rip-Deal, einen betrügerischen Raub. Prominentes Beispiel: Am 10. Dezember traf sich ein Antiquitätenhändler zu einem vermeintlichen Verkaufsgespräch mit einer etwa 30-jährigen Frau im Interconti-Hotel an der Kö. Die Frau stieß den Mann zu Boden, entriss ihm einen Beutel mit Schmuck für rund 600 000 Euro und flüchtete.

Anlageberater-Trick: Auch diese Variante zählt Polizist Schimmelpfennig zu den Trickdiebstählen: Ein falscher Anlageberater lässt sich 100 000 Euro zahlen und verspricht unfassbar hohe Renditen. Schimmelpfennig kann es oft kaum fassen: "Es gibt keine Verzinsung mit 25Prozent! Und trotzdem gibt es immer wieder vermögende Menschen, die auf diesen Trick hereinfallen."