Rundgang durch die Stadt Hier haben Sehbehinderte in Willich Schwierigkeiten
<irwordspace style="word-spacing 0125em;"><irglyphscale style="font-stretch 102%;">Willich</irglyphscale></irwordspace> · In der Innenstadt gibt es Punkte, die blinden und sehbehinderten Menschen den Alltag erschweren.
(tre) Im Januar 2023 setzte Christian Pakusch eine Simulationsmaske auf und ging mit blinden Menschen durch die Willicher Innenstadt. Der Bürgermeister (CDU) konnte dabei selbst feststellen, wie schwierig die Orientierung für blinde Menschen ist und welche Vorteile ein Blindenleitsystem mit sich bringt. Er sagte zu, sich des Themas annehmen zu wollen. Zwei Jahre später finden die betroffenen Menschen allerdings Punkte in der Stadt, die ihnen das Leben nach wie vor schwer machen.
Einer davon ist die rund 15 Zentimeter tiefe Wasserrinne, die den Kaiserplatz quert. „Wenn ein Blinder mit dem Langstock auf die Rinne stößt, ist das für ihn wie eine Stufe. Wer nicht weiß, dass es eine wassergeführte Rinne ist, tritt hinein“, sagt Helmut Pastors, der unter anderem mit Theologia Heenen und dem ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten der Stadt, Hans Lehmann, bei der Begehung mit Pakusch vor zwei Jahren dabei war. Zurzeit ist die Rinne zwar mit Platten abgedeckt und führt auch kein Wasser, aber das wird sich mit steigenden Temperaturen ändern.
Ein anderer Kritikpunkt betrifft das Stadtteilbüro. Dort zeigen zwei Leitsteine Blinden an, wo sich der Eingang befindet. Allerdings gibt es an der zur Straße zeigenden Hauswand, wo der blinde Mensch suchen würde, keine Klingel. Um die zu erreichen, muss er eine Treppe hoch – die Klingel befindet sich auf halber Höhe an der Wand. Dass es nur wenige Meter weiter eine barrierefreie Klingel inklusive Aufzug für das Stadtteilbüro gibt, erfährt der Blinde nicht. „Es wäre generell schön, wenn wir von der benachbarten Altenhilfe zum Stadtteilbüro ein Leitsystem hätten“, sagt Heenen.
Auf dem Weg zwischen den beiden Einrichtungen gibt es ein weiteres Problem: zwei Schaukästen und eine Informationstafel zur früheren Bürgermeisterin Käthe Franke. „Wenn man mit dem Langstock einen der Pfosten der Schaukästen oder der Infotafel ertastet, denkt man, es handelt sich um einen einzelnen Pfosten. Man geht weiter und rennt gegen die Kästen“, sagt Pastors. Besser sei es, die beiden Kästen und die Infotafel an der Wand der Altenstube oder des Stadtteilbüros anzubringen.
Was erstaunt, ist der Einbau eines Blindenleitsystems von der Tür der ehemaligen Feuerwache – heute ein Mehrfamilienhaus – in Richtung Straße. „Wobei wir den Sinn und Zweck dort nicht erkennen können“, sagt Heenen. Auf der Wunschliste der Blinden steht zudem ein akustisches Warnsignal am Brunnen auf dem Marktplatz, auch wenn der Brunnen inzwischen eine blindengerechte Umrandung erhalten hat. Die Ampel an der Anrather Straße in Höhe des Lidl sei indes ohne funktionierende Akustik, und die Ampel an der Hülsdonkstraße habe eine zu kurze Grünphase. Pastors fragt sich zudem, warum die Krefelder Straße, als sie aufgerissen und neu gemacht wurde, kein Blindenleitsystem bekommen hat. „Das wäre doch ein Abwasch gewesen“, schließt sich Heenen an. Die Blinden und Sehbehinderten wünschen sich, mehr in die städtischen Planungen einbezogen zu werden.
Pakusch betont auf Anfrage, dass er die Punkte der blinden Bürger an die Stadtplanung weiterleiten wolle. „Die muss schauen, was geht“, sagt er. Den Wunsch, stärker beteiligt zu werden, will Pakusch mit in die Politik nehmen. Bei der erneuten Runde durch Willich gab es für die Stadt aber auch Lob. „Die große Pfütze an der Ampel an der Krefelder Straße ist zugeschüttet worden. Dort stand man knöcheltief im Wasser. Wir haben es an Herrn Lehmann weitergegeben, und es ist schnell beseitigt worden“, sagt Heenen.