Brauchtum: Ein Juwel fürs alte Dorf

Im Haus Baaken werden am Sonntag Pottbäcker-Museum und Heimatstube eröffnet.

Tönisberg. "Welch Glanz in dieser Hütte." Ein Ausruf, der früher den Wandtellern am Kamin zugedacht war, trifft heute auf das Pottbäcker-Museum zu, das Lutz Weynans im Haus Baaken eingerichtet hat. Am Sonntag wird dieses Museum von 11 bis 13Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit viel Sachverstand hat Weynans über 600Stücke zusammengestellt, die den Betrachter staunen lassen. In der Kölner Stube, benannt nach der Decke mit verputzten Balken (Kölner Decke), beginnt der Rundgang mit Feuersteinen aus der Steinzeit, führt über Keramiken aus Bronze- und Eisenzeit zu Funden aus der Römerzeit.

Alle Fundstücke stammen aus dem hiesigen Raum: aus Kiesgruben bei Rheinberg, aus Asperg, Xanten, aus Grabungen nahe der Burg Uda.

Nahtlos der Übergang über fränkische Bandreliefarbeiten zur Pottbäcker- und Bauernkeramik des 16. bis 19.Jahrhunderts. Rheurdt, Schaephuysen, Tönisberg, Orbroich, Aldekerk- das sind die Entstehungsorte der Gebrauchskeramik. Kartoffel- und Frühstücksteller, aber auch Teller zu festlichen Gelegenheiten wie Verlobung, Hochzeit und Jahreswechsel erzählen im Haus Baaken ihre Geschichten. Der Lebensbaum, als Zeichen der Fruchtbarkeit, ist ein beliebtes Motiv. Die Tulpe, zur damaligen Zeit besonders bewundert, die Kevelaerer Gottesmutter, aber auch ein türkischer Reiter von 1763, wahrscheinlich einem alten Kupferstich nachempfunden, sind zu sehen.

Weiter geht’s durchs Kaminzimmer zur Opkamer- das ist eine hochliegende Kellerkammer. Auch dort Vitrinen mit Prunkschüsseln, aber auch Bullebäuschen-Pfanne, mit Pilgerhorn mit Herdsteinen und Ofenkacheln.

Weyans restauriert auch selbst, so den Hochzeitsteller von 1669 aus Kamperbrück. Auch Sammlerstücke des 20.Jahrhunderts sind bedeutsam. "Mit den gegenwärtigen Künstlern wie Horst Kippes, Prof. Bertlings, Karl Heil oder Grete Vorfeld-Holtmann, die sich der Pottbäcker-Kunst verschrieben haben, wird diese Handwerkskunst wohl aussterben", fürchtet Weynans.

Für ihn gibt es noch Arbeit genug. Über 200 Stücke warten darauf, restauriert und ausgestellt zu werden. Ein bemerkenswertes kleines Museum hat Weynans geschaffen, ein Juwel für das alte Pottbäcker-Dorf Tönisberg.