Diesmal wurde der Jurist ausgiebig von der Verteidigung befragt.
Dabei wurde offenbar, dass der Großteil diverser Kanzlei-Entscheidungen ausschließlich in den Händen von Lothar Vauth lag, dessen jährliches Einkommen dem Zeugen nach bis zu 400 000 Euro betragen haben soll. So entschied Vauth zum Beispiel, wann und in welchen Medien Werbeanzeigen geschaltet wurden. „Er verstand es, die Kanzlei gut zu positionieren und warb ziemlich offensiv“, erklärte Jellacic. Rücksprachen mit den anderen Gesellschaftern über den Inhalt oder die Gestaltung dieser Anzeigen habe es nicht gegeben. „Wir hätten generell mehr miteinander sprechen müssen, das weiß ich jetzt“, ergänzte der Zeuge gestern im Prozess.
Wesentlich eklatanter „war jedoch die Tatsache, dass alles rund um Finanzen und Steuern vom Ehepaar Vauth geregelt wurde“. Nur die beiden hätten sich mit der damals beauftragten Steuerkanzlei kurzgeschlossen. Der zuständige Steuerberater sei aber auch der „beste Freund“ von Lothar Vauth gewesen sei. So habe letzterer ihn zumindest einmal im Rahmen einer Karnevalssitzung bezeichnet. „Na ja, da wird viel gesagt“, erwiderte Vauths Verteidiger.
Das sei wohl so, antwortete der Zeuge. Was er aber außerdem wisse, wäre, dass eine Mitarbeiterin jenes Steuerberaters ständig hinter wichtigen Unterlagen her gewesen sei, welche die Vauths nicht eingereicht hätten. „Ich und die anderen Partner nahmen die Tatsache, dass Vauth so vieles regelte, hin. Er zog die lukrativen Aufträge an Land, und es schien ja alles bestens zu laufen“, ergänzte Jellacic.
Dass dem nicht so war, habe sich im Frühjahr 2009 herausgestellt. Nach der Strafanzeige gegen das Ehepaar Vauth habe die Überprüfung des Kapitalkontos von Lothar Vauth ergeben, dass dieses ein Minus von einer Million Euro aufwies. sst