Bildhauer zeigt Kunst im eigenen Garten

Ben Stuurman hat einen offenen Kunstraum geschaffen. Besucher sehen ihm bei der Arbeit zu.

Foto: Dackweiler

Ganz einfach ist dieses fast naturbelassene Paradies nicht zu finden. Aber wer sich mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto auf die Suche macht, wird belohnt. Am Ende einer alten Kastanienallee hinter dem Bahnübergang in Bovert am Kalverdonksweg 82 unmittelbar an einem ehemaligen Jagdhaus findet er sich in einem Skulpturenpark wieder. Dort hat Ben Stuurman einen „offenen Kunstraum“ geschaffen. „Selbst die Beleuchtung ist naturgegeben. In dieser Umgebung präsentieren sich meine Skulpturen ehrlich, ohne jegliche Hilfsmittel“, so Stuurman.

Der Steinbildhauer hat sein Atelier mit Ausstellungsfläche in die Natur verlegt, seine Arbeiten aus Marmor, Graphit, Sandstein, Travertin oder Findlingen auf rund 2500 Quadratmeter nahe oder zwischen die Brombeersträucher und Brennnessel gesetzt. Er ist staunt, welche Wirkung das auch auf seine kunstinteressierten Besucher hat: „Hier gibt es keine Hemmschwelle. Die Leute kommen, sehen sich in Ruhe um, ertasten das ein oder andere Stück — und dann kommen wir ins Gespräch.“

Wer das grob gerodete Areal und auch die Kunst erkunden will, muss sich intensiv umsehen. An jedem Standort herrscht ein anderer Lichteinfall und taucht die Steinarbeiten in wechselnde Effekte. Zurzeit ist das Grundstück malerisch von hochgewachsenen Maispflanzen umrahmt. Und das ist auch eine der Stellen, an denen sich Stuurman eine Sitzmöglichkeit, einen bequem abgerundeten Steinsessel geschaffen hat: „Wenn der Mais geerntet ist, kann ich bis nach Fischeln sehen. Die Sonnenuntergänge hier sind fantastisch.“

Der Steinbildhauer, der in Düsseldorf geboren ist, aber die niederländische Staatsbürgerschaft hat, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Meerbusch. Als er seine Werkstatt nahe der Krefelder Straße verlassen musste, stieß er auf dieses Stück Natur in Bovert. In dem Haus aus dem Jahr 1930 wohnt er und hat nur wenige Schritte zu gehen, um neben seinen Kunstobjekten zu stehen oder in der Werkstatt zu arbeiten. Hammer, Spreng-, Spitz-, Zahn- oder Flacheisen setzt er auch im Freien an jenen Steinen an, die er künstlerisch verwandeln möchte. Dabei richtet er sich nach der natürlichen Form der Steine: „Ich weiß meist sehr schnell, was daraus entstehen könnte. Auf Motivsuche bin ich ohnehin noch nie gegangen. Das habe ich alles im Kopf. Es macht plötzlich Klick“, erzählt Stuurman.

„Niedliches“ zum Verkaufen sei nicht sein Ding. Seine Skulpturen strahlen das Wesentliche aus und wirken oft archaisch oder mystisch: „Hartem Stein mit Gedanken, Gefühl und Geduld begegnen, um Antworten zu finden — das ist meine Intention.“ Die interessiert in die Natur schauenden kleinen Köpfe aus Findlingen scheinen die Antwort schon parat zu haben. Auf feinen Stangen befestigt schaukeln sie im Wind, als wenn sie auf sich aufmerksam machen und ein Gespräch führen möchten.