Werkstattverfahren soll Weg zum Bauland beschleunigen

Bis zum Jahr 2030 müssen laut Bedarf in Neuss mindestens 6000 Wohnungen neu gebaut werden.

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Neuss. Angesichts eines enormen Wohnungsbedarfs will die Stadt schneller zur Ausweisung und Entwicklung von neuem Bauland kommen. Deshalb schlägt Planungsdezernent Christoph Hölters ein Verfahren vor, das es im besten Fall ermöglicht, schon parallel zur noch nicht abgeschlossenen Diskussion eines Flächennutzungsplanes die Aufstellung von Bebauungsplänen anzuschieben. Dreh- und Angelpunkt ist ein Werkstattverfahren, in das über Politik und Verwaltung hinaus alle Akteure der Wohnungswirtschaft eingebunden werden. Mittwoch will Hölters sein Vorgehen im Planungsausschuss erläutern, schon am 23. November soll das erste Werkstattgespräch stattfinden.

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Der Wohnungsbedarf wurde gutachterlich ermittelt und liegt — unbestritten — bei netto 6000 Wohnungen, die bis zum Jahr 2030 neu gebaut werden müssen. Bei Erhebung dieser Werte gab es allerdings das Thema Flüchtlinge in der aktuellen Größenordnung noch nicht. Hölters geht davon aus, dass viele dieser Menschen dauerhaft in Neuss bleiben werden und veranschlagt den so benötigen Zusatzbedarf auf 800 Wohnungen bis 2030. „Damit müssen wir uns beschäftigen“, sagt er.

Die Werkstattgespräche setzen dazu nicht im luftleeren Raum an, sondern fußen auf dem räumlichen Strukturkonzept, das die Basis für den Entwurf eines neuen Flächennutzungsplanes ist. In diesen müssen noch 23 Hektar Wohnbauland hineinredigiert werden, sagt Hölters. Nach Darstellung der Verwaltung wären in diesem Kontext neun Flächen mit einer Gesamtausdehnung von 58,4 Hektar zu diskutieren. Dazu gehören auch zwei Flächen am Eselspfad (17,7 Hektar), für die der Architekt Horst Hanrath eine autofreie Siedlung angeregt hat, sowie zwei (an Macherscheider und Kaarster Straße), die aus der Bevölkerung vorgeschlagen wurden. Und auch Mobilisierungsflächen (Reserve) werden betrachtet.

Der Bauverwaltung schwebt vor, in dem ersten Werkstattgespräch diese Grundstücke dem „Netzwerk Wohnen“ vorzustellen. Dazu gehören alle Akteure der Wohnungswirtschaft: Baugesellschaften, Makler, Mieterverein, der Verein Haus und Grund aber auch das Sozialamt. Sie sollen die Alternativen bewerten. Flächen, die dabei „aussortiert“ werden, müsse man erst gar nicht weiter verfolgen, sagt Hölters. Das spart Zeit weil Einwände, die sonst erst im weiteren Verfahren vorgetragen worden wären, schon jetzt auf den Tisch kommen. Und es vermeidet, dass am Markt vorbeigeplant wird. Im zweiten Workshop, der schon am 7. Dezember folgt, werden diese Einschätzungen dann auch von der Politik diskutiert.

Für Hölters wird das Verfahren schneller aber auch transparenter, zumal es auch Ergebnisse aus den Veranstaltungen aufgreift, in denen im vergangenen Jahr der Entwurf des Flächennutzungsplanes den Bürgern vorgestellt wurde. Die Ergebnisse der Workshops können nach politischer Beratung in diesen Plan übernommen aber auch Teil des übergeordneten Regionalplans werden. Wo sie schon — wie in Norf oder Rosellerheide - Teil des noch gültigen Flächennutzungsplans sind, könnten aber auch schon Bebauungspläne erarbeitet werden.