Berlin. Die SPD sieht sich selbst in einer "Vertrauenskrise". Sie will als Konsequenz aus ihrer Wahlniederlage weniger ihr Programm ändern, umso mehr ihren Auftritt. Das wurde am Montag im SPD-Parteirat deutlich.
Der scheidende Generalsekretär Hubertus Heil nennt es eine Frage "unserer Körpersprache". Die SPD müsse mehr zuhören und stärker auf die Menschen zugehen. Es blieb nicht der einzige gute Vorsatz für den Bundesparteitag der SPD, der vom 12. bis 15. November in Dresden stattfindet.
Die Flügel sollen sich zugunsten der Gesamtpartei zurückhalten. "Das muss besser werden", so Parteiratschef Claus Möller.
Auf Personal- und Betriebsräte, generell auf die Gewerkschaften, will die SPD stärker zugehen. Sie will sich mehr für junge Leute öffnen und die "großstädtischen Milieus" ansprechen.
Koalitionsfragen sollen in der SPD erst mal zurückgestellt werden. Von einem Tabubruch gegenüber der Linken zu reden, sei "ziemlicher Nonsens", sagte der Abgeordnete Joachim Poß. Auch die designierte Generalsekretärin Andrea Nahles riet davon ab, sich schon mit den Machtoptionen für die Wahl 2013 zu befassen.
Parteichef Sigmar Gabriel versprach erneut, auf die Basis zu hören und sie an Entscheidungen zu beteiligen. Damit habe er "gepunktet", erzählte Möller. Mit Blick auf den SPD-Parteitag Mitte November mahnte Möller aber zugleich, es dürfe nicht nach dem Motto "das war es dann" gehen. Möller: Für die Wahlanalyse sei der Parteitag "erst der Auftakt".
Das schwindende Zutrauen in die SPD führte Heil auch darauf zurück, dass sie seit 1991 alle zwei, drei Jahre den Parteichef gewechselt habe. Nun nehmen sich die Genossen mehr Kontinuität vor.