Integrationsdebatte: Schulfrei am muslimischen Feiertag?

Ungewöhnlicher Vorstoß der Türkischen Gemeinde.

Berlin. Schulfrei für alle Kinder an einem muslimischen Feiertag? Ein entsprechender Vorstoß der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) stieß gestern überwiegend auf Ablehnung. Der Zentralrat der Muslime, Politiker und Kirchenvertreter sprachen sich dagegen aus. Der Zentralrat der Juden zeigte dagegen Sympathie für den Vorschlag und regte seinerseits schulfrei auch an einem jüdischen Feiertag an.

Der TGD-Bundesvorsitzende Kenan Kolat hatte die Debatte angestoßen und etwa das Zuckerfest zum Ende des Fastenmonats Ramadan ins Gespräch gebracht. "Ich fände es gut", sagte Kolat der "Berliner Zeitung". Dies solle ausdrücklich auch für Kinder anderer Religion gelten. "Das wäre ein Zeichen der Toleranz."

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dagegen: "Ich sehe keine Veranlassung, aus diesem Tag einen generell schulfreien oder arbeitsfreien Feiertag für alle zu machen." Er begrüßte die bereits gängige Praxis, dass muslimische Schüler an ihren Feiertagen nicht in die Schule kommen müssen. Dies funktioniere vor allem in Großstädten gut und unbürokratisch.

Der Zentralrat der Juden forderte auch an einem jüdischen Feiertag schulfrei und schlug dafür den Versöhnungstag "Jom Kippur" vor. Gleichzeitig sprach sich Generalsekretär Stephan Kramer für einen islamischen Feiertag aus. Das zeige Respekt und Toleranz der Gesellschaft gegenüber einer anderen Religion.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, unter dessen Dach zahlreiche Migrantenorganisationen versammelt sind, erteilte Kolats Vorstoß eine Absage. "Davon halte ich gar nichts. Das würde andere Religionen nur vor den Kopf stoßen. Wir haben Buddhisten, Hinduisten - wir können doch nicht für jede Gruppe einen Feiertag einführen", sagte die Vorsitzende Heidi Merk.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sagte, es gebe einen "Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes". Darüber bestehe ein breiter Konsens. Die Feiertagskultur beruhe auf einer Jahrtausende langen christlichen Prägung Deutschlands.

Ärger gab es gestern auch um Äußerungen des Vize-Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach. Er forderte Sanktionsmöglichkeiten für Migranten, die sich notwendigen Deutschkursen verweigern: "Viele, die verpflichtet wurden, an einem Sprachkurs teilzunehmen, damit sich ihre Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, kommen einfach nicht. Die können nicht weiter die vollen Sozialleistungen beziehen." Nach Bosbachs Angaben liegt der Anteil der Kurs-Verweigerer bei rund 40 Prozent.

Die Grünen kritisierten das als "dumpfen Populismus", die Linken sprachen von "pauschalen Verunglimpfungen". Kritisch äußerte sich auch FDP-Vize-Fraktionschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie mahnte eine "ehrliche Debatte" über Integration an. "Und da sollten wir nicht einfach nach neuen Gesetzen rufen."