Mannheim. Die Finanz- und Wirtschaftskrise dämpft laut einer Studie die Rentenerwartung künftiger Ruheständler. Das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) berechnete, dass die Bezüge eines Durchschnittsrentners um bis zu acht Prozent geringer ausfallen als vor der Krise angenommen. Grund seien die zu erwartenden geringen Lohnsteigerungen in den kommenden Jahren.
Martin Gasche, einer der Autoren der Studie, sagte: "Da die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung gekoppelt ist, werden sich auch die Renten entsprechend schlechter entwickeln." Das Mannheimer Institut geht davon aus, dass in Folge der Krise die Löhne in den kommenden Jahren zunächst sinken, dann stagnieren und zuletzt nur gering wachsen werden.
Nach den Berechnungen der Wissenschaftler bedeutet dies bei einem Renteneintritt im Jahr 2010 ein Minus von 33Euro pro Monat gegenüber den ursprünglichen Prognosen in den Renteninformationen. Wer 2040 in den Ruhestand geht, muss danach bei einer Durchschnittsrente von eigentlich erwarteten 2476 Euro mit einem monatlichen Minus von 194Euro rechnen. Der Durchschnittswert ist vergleichsweise hoch, weil die Preisentwicklung in den kommenden Jahren nicht berücksichtigt wurde.
Das Bundesarbeitsministerium widersprach den Wissenschaftlern. Die Berechnungen träfen nur dann zu, wenn die Krise das Lohnniveau dauerhaft für Jahrzehnte dramatisch absenke. Dafür gebe es aber "keinen ökonomisch plausiblen Grund". Die Berechnungen des MEA verfolgten offenbar den Zweck, mit extrem pessimistischen Annahmen "das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung zu untergraben". Das Institut wird unter anderem vom Land Baden-Württemberg und vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft finanziert.
Rentenexperte Gasche dagegen betonte, dass die Einbrüche der kommenden Jahren nur durch ein überdurchschnittliches Wachstum auszugleichen sei. Das sei aber nicht zu erwarten.