Studie: Deutschland muss mehr gegen Aids tun

EU-weit nur Platz 13. Lücken bei der Behandlung.

Brüssel. In Deutschland werden Aids-Kranke schlechter betreut als in anderen europäischen Ländern - zum Beispiel gibt es immer noch Lücken bei Drogenersatz-Therapien, bei der Aufklärung in Gefängnissen ebenso wie bei der Versorgung von Randgruppen. Das geht aus einer EU-Studie der Organisation "Health Consumer Powerhouse" hervor.

Der "Euro HIV Index" hat erstmals die Situation von Aids-Kranken in Europa verglichen. Deutschland landet unter 29 Ländern auf Platz 13. Vorbildlich ist Luxemburg, gefolgt von Malta und der Schweiz. Besonders kritisch wird bewertet, dass die Gefahr der Ansteckung in deutschen Gefängnissen sehr groß ist, weil es dort kaum angepasste Präventions-Programme gibt. Zudem hätten Einwanderer ohne Papiere in der Regel keinen Zugang zur medizinischen Versorgung.

Auch die "Kriminalisierung" ist ein Problem: Wer von seiner Krankheit weiß und ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, kann sich strafbar machen. Doch solche Gesetze führten dazu, dass Risikogruppen Aids-Tests vermeiden, heißt es. "Die Zahl der Menschen mit HIV nimmt in jedem Mitgliedsland der EU zu", warnt die Verantwortliche der Studie, Beatriz Cebolla - in West- und Zentraleuropa sei sie zuletzt um acht Prozent gestiegen. In Deutschland hatten sich laut Robert-Koch-Institut 2008 rund 2800 Menschen infiziert - in etwa so viele wie im Jahr zuvor. Insgesamt leben in der Bundesrepublik rund 63500 mit HIV oder Aids.