Düsseldorf streitet über Toiletten Ist es pietätlos, unter dem Jesus-Kreuz zu pinkeln?

Update | Düsseldorf · Hunderte Toiletten sollen im Stadtgebiet dieses Jahr für eine „saubere Sache“ sorgen – so auch am Stiftsplatz. Dort sorgt die Aufstellung unter dem Kalvarienberg aber für Kritik. Was die Katholiken dazu sagen.

Die Stadt stellt wieder Cross-Urinale auf – auch direkt vor die Kreuzigungsgruppe am Stiftsplatz.

Foto: Wolfgang Harste

Über die Karnevalstage stellte sich in der Vergangenheit der Weg zur St. Lambertus Basilika für Kirchgänger selten angenehm dar. Verwandelte sich der Stiftsplatz doch gerade an Altweiber und Rosenmontag regelrecht in eine Freiluft-Toilette, auf der sich viele Jecken ungesehen und „etwas abgeschieden“ vom restlichen Rummel erleichtern wollten.

Darauf hatte die Stadt schließlich im Rahmen ihres Toilettenkonzepts „Eine saubere Sache an Karneval“ reagiert und unter anderem große Vierfach-Cross-Urinale auf dem Stiftsplatz aufgestellt, um das ordnungswidrige Wildpinkeln an dieser Stelle einzudämmen. Standen diese zuletzt jedoch vor allem auf der rückwärtigen Seite der Kirche, also zur Müller-Schlösser-Gasse hin, gibt es in diesem Jahr eine Überraschung. Denn auch vor dem „Kalvarienberg“, also die große Figurengruppe an der Nordseite der Kirche, waren diesmal solche Toiletten aufgestellt. Uriniert werden sollte also quasi direkt „unter den Augen von Jesus“ – ist das noch pietätvoll?

Nein, sagt Stadtdechant Frank Heidkamp, der auch die Messe in St. Lambertus liest. Das auf dem Stiftsplatz und zum Rhein hin generell Toiletten aufgestellt werden, finde er zwar gut. „Es ist so zumindest deutlich besser, als wenn die Menschen sich an die Kirch- oder Hauswände erleichtern“, sagt er. Aber dass die Urinale nun genau vor der Kreuzigungsgruppe standen, sei für ihn nicht in Ordnung gewesen. „Das ist pietätlos.“ Er wollte bei der Stadt anfragen, ob eine Verlegung möglich sei. Und offenbar hat die Stadt schnell reagiert. Am Donnerstag waren die Toiletten bereits umgesetzt worden. Nun stehen sie rund 50 Meter von der Kreuzigungsgruppe entfernt.

Insgesamt drei Toiletten-Container, 72 solcher Cross-Urinale, 84 mobile Toiletten (davon acht barrierefrei) und zwei Toilettenwagen stellt die Stadt in diesem Jahr auf. Das seien deutlich mehr als in den Vorjahren, heißt es. Insbesondere für Frauen würden nun mehr Möglichkeiten zur Toilettennutzung angeboten. Wer die öffentlichen Toiletten nicht findet, dafür aber vom Ordnungsamt abseits der Wege erwischt wird, der muss sich auf ein empfindliches Bußgeld einstellen. Das beträgt 150 Euro plus Verwaltungsgebühren – eine teure „Erleichterung“.

(ctri ujr)