Karneval in Düsseldorf Das Rathaus feiert große Party nach dem Sturm
Düsseldorf · Im Jan-Wellem-Saal wurde es rappelvoll. Jecken aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung feierten dort Altweiber und hatten sich kreative Kostüme überlegt.
Während sich Hunderte Jecken vor dem Rathaus versammelt hatten, um zu sehen, wie die Möhnen das Rathaus stürmen, wurden diese in dem historischen Gebäude bereits erwartet. Auch wenn Oberbürgermeister Stephan Keller den Sturm noch verhindern wollte, übergab er schließlich Venetia Evelyn den Stadtschlüssel – und die Möhnen hatten freie Bahn.
Schon bevor es so weit war, hatte die Party im Jan-Wellem-Saal des Rathauses begonnen. Und die ist an Altweiber im Zentrum der Politik besonders ausgelassen. Wieder einmal ließen es sich die Vertreter der Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft nicht nehmen, sich in ihre buntesten und aufwendigsten Kostüme zu werfen.
Manche hatten eine politischere Bedeutung als andere. Oberbürgermeister Stephan Keller kam verkleidet als „alter Luke Skywalker, ein Kämpfer für das Gute“. Die Idee sei spontan entstanden, pro Session habe er unzählige Kostüme, aus denen er wählen könne. Trotz allem, was derzeit in der Welt los sei, sei es wichtig, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Wir lassen uns das Feiern nicht vermiesen – das ist ein Ventil für die Alltagssorgen.“
Fabian Zachel tritt für die SPD als OB-Kandidat an. Die Altweiber-Feier im Rathaus nutzte er, um eine klare Botschaft zu zeigen: „Ich gehe als Brückenbauer. Wir müssen aufhören, mit dem Finger auf die Probleme zu zeigen, und diese klar nennen.“ Auf seinem Körper klebten eben diese Probleme, wie „Politkverdrossenheit“, „dreckige Schultoiletten“, „marode Brücken“ und „mangelnde Inklusion“, an seinen Armen hatte er dafür die Lösungen aufgelistet. Den Finger in die Wunde legen und die Lösungen aufzeigen – so werde der restliche Wahlkampf aussehen, versprach Zachel. Sabrina Proschmann, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat, war passend dazu als „Staukönig Stephan I.“ verkleidet.
Ein Kostüm, das in jedem Jahr ins Auge fällt, ist das Gruppenkostüm von Burkhard Hintzsche und seinem Team. Das dürfen sich seine Mitarbeiter nämlich selbst überlegen, verrät der Stadtdirektor. Und so kamen sie in diesem Jahr verkleidet als Spielkarten – natürlich mit entsprechender Nummer auf dem Rücken. „Die Nummer 6 steht für unser Dezernat – und ich bin der Joker“, erklärte Hintzsche.
Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke kam ganz in Pink. Warum? „Es kann gar nicht genug Rosa für uns Frauen geben. Wir sollten das ganze Jahr über an der Macht sein.“ Sofort ins Auge fielen die Flughafen-Chefs Lars Redeligx und Pradeep Pinakatt, die sich Koffer mit vielen Stickern umgeschnallt hatten – die sogar leuchteten. „Wir sind agile und moderne Gepäckstücke. Auf das Gepäck am Düsseldorfer Flughafen ist Verlass.“ Rheinbahn-Vorständin Annette Grabbe war als Fortuna-Fan mit passendem goldenen Fußball verkleidet, Schausteller-Vorsitzender Oliver Wilmering kam als Hippie. Neben den Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft waren auch viele Vertreter der Karnevalsvereine zu der Feier ins Rathaus gekommen.