Kultur am Niederrhein Kreis plant Museumsdepot ohne Partner
<irglyphscale style="font-stretch 992499%;">GREFRATH </irglyphscale> · Nachdem Museen in Kevelaer und Kempen aus dem Gemeinschaftsprojekt ausgestiegen sind, will der Kreis Viersen allein für das Freilichtmuseum in Grefrath ein neues Lager bauen. Dort könnten Museumsstücke deponiert werden, die jeweils nicht aktuell gezeigt werden.
Der Plan, ein interkommunales Museumsdepot in Grefrath einzurichten, ist vom Tisch. Dennoch will der Kreis Viersen als Träger des Niederrheinischen Freilichtmuseums in der Niersgemeinde an seinem vor etwa drei Jahren geborenen Projekt festhalten, für Museumsgüter, die nicht ständig ausgestellt werden, eine passende Lagerstätte zu bauen. Für die nächste Sitzung des Kulturausschusses des Kreistages am Mittwoch, 5. März, in Viersen hat Kreisdirektor Ingo Schabrich eine entsprechende Vorlage zur Beratung vorgelegt. Schabrich ist auch für die Kultur im Kreis zuständig.
Ein solches Museumsdepot in kommunaler Partnerschaft mit den Städten Kempen, Nettetal und Kevelaer einzurichten, war der im Jahre 2022 erstmals vorgestellte Plan. Nach ersten Gesprächen mit potenziellen Partnern hatten das Niederrheinische Museum in Kevelaer, das Textilmuseum „Die Scheune“ in Nettetal und die Stadt Kempen für das städtische Kramer-Museum zunächst Interesse an einem solchen Gemeinschaftsprojekt bekundet. Der Kreis gab daraufhin zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.
Danach war für den Kreis klar, dass er ein eigenständiges und zeitgemäßes Gebäude zur Unterbringung des Sammlungsgutes des Freilichtmuseums benötigt. Kosten für Bau und Betrieb eines solchen Museumsdepots waren nach der Vorstellung der Studie in zwei Sitzungen des Kreiskulturausschusses im Oktober 2022 und im Februar 2023 noch nicht bekannt.
Allerdings zeichnete sich alsbald ab, dass nicht alle potenziellen Partner weiter mit von der Partie sein würden. Der Trägerverein des Niederrheinischen Museums in Kevelaer sagte ab, weil er mit einem Mietanteil rechnete, den er auf Dauer nicht würde aufbringen können. In Kempen wurde das Thema zunächst öffentlich im Kulturausschuss des Stadtrates diskutiert. Auch hier stellten die zu erwartenden Mietkosten ein Hemmnis dar, um uneingeschränkt bei dem Gemeinschaftsprojekt mitmachen zu können.
Wie Kreisdirektor Schabrich nun in seiner Beratungsvorlage für die Kreiskulturausschuss-Sitzung am 5. März weiter mitteilt, hat die Politik in Kempen am 6. Februar dieses Jahres beschlossen, sich nicht an einem interkommunalen Museumsdepot zu beteiligen.
Auch wenn die Entscheidung im Kempener Kulturausschuss hinter verschlossenen Türen in nicht-öffentlicher Sitzung getroffen worden ist, waren nach Informationen unserer Redaktion offenbar – wie in Kevelaer – ebenfalls die zu erwartenden Mietkosten der springende Punkt. Angesichts der angespannten Lage des städtischen Haushalts sei ein solches Projekt nicht zu finanzieren, heißt es in Kempen. Zudem: Die Stadt Kempen hat zwischenzeitlich Lagerräume für den Bestand des Kramer-Museums angemietet.
Bleibt als möglicher Partner nur noch das Textilmuseum „Die Scheune“ in Nettetal übrig. Das befindet sich in einer kleinen historischen Hofanlage in Hinsbeck-Hombergen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Krickenbecker Seen. Die Politik in Nettetal hat im November vorigen Jahres beschlossen, dass die Stadtverwaltung die Sammlung möglichst bald an den Kreis Viersen abgibt. Es gibt eine Stiftung, die die Sammlung der Eheleute Tillmann verwaltet. Über das Kuratorium wird der Betrieb des Textilmuseums finanziert.
Wie Kreisdirektor Schabrich auf Anfrage der Redaktion bestätigte, will der Kreis die Sammlung des Textilmuseums nach einer möglichen Übernahme künftig im Freilichtmuseum in Grefrath präsentieren. Auf dem Gelände des Freilichtmuseums gebe es die Möglichkeit, die Sammlung in einem bestehenden Gebäude zu präsentieren, so Schabrich. Sammelstücke aus dem Textilmuseum, die nicht in der Ausstellung gezeigt werden, könnten ebenfalls in dem geplanten neuen Museumsdepot untergebracht werden. Abschließende Gespräche zwischen dem Kreis und der Stadt Nettetal in der Angelegenheit stehen aber noch aus.
Gleichwohl will der Kreis das Projekt „Museumsdepot“ nun zügig vorantreiben. Um öffentliche Fördermittel beantragen zu können, muss die Planung konkretisiert werden. Dabei müssen auch Kosten für ein Grundstück und für den Neubau kalkuliert werden. Nach Informationen unserer Redaktion hat es bereits Gespräche zwischen dem Kreis und dem Betreiber des Grefrather Eissport & Eventparks (Eissportzentrum) über die Nutzung eines Grundstücks in unmittelbarer Nachbarschaft zum Freilichtmuseum für den Bau des Depots gegeben.
Der Kreis hofft nun, von der Kreispolitik einen entsprechenden Auftrag zu erhalten, das Projekt voranzubringen. Die Zustimmung des Kreistages am 27. März ist Voraussetzung dafür, dass sich die Kreisverwaltung um öffentlichen Fördermittel bemühen kann.