Gesundheitsstudie: Grevenbroich steht auf der Negativliste

Greenpeace hat die Gesundheitsgefahren durch Kohlekraftwerke untersucht.

Rhein-Kreis Neuss. Fünf der zehn gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands stehen einer Studie zufolge in NRW. Im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Universität Stuttgart die Schadstoff-Emissionen der 67 leistungsstärksten deutschen Kohlekraftwerke und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit untersucht.

Mit den Ergebnissen könnten die Risiken derartiger Kraftwerke in Deutschland erstmals scharf bestimmt werden, sagte der Energie-Experte von Greenpeace, Gerald Neubauer, als er die Studie am Mittwoch in Berlin vorstellte. Der internationale Kraftwerksverband VGB PowerTech kritisierte dagegen, die Studie blende „wichtige Fakten und weitere wesentliche Erkenntnisse“ aus.

Die Emissionen der untersuchten Kraftwerke führen der Greenpeace-Studie zufolge zu mehr Krankheiten und statistisch gesehen zu einer kürzeren Lebensdauer. Dadurch seien im Jahr 2010 etwa 700 000 Arbeitstage verloren gegangen, schrieben die Autoren um den Stuttgarter Universitätsprofessor Rainer Friedrich. Sicher sei letztlich aber nur ein statistischer Zusammenhang zwischen diesen Krankheiten und dem Feinstaub, sagte Friedrich. Ob die Schlote unmittelbare Ursache seien, könne man nicht mit absoluter Sicherheit sagen.

Auf der Negativliste von Greenpeace liegt das RWE-Kraftwerk Niederaußem in Bergheim bei Köln auf Platz zwei hinter einer Vattenfall-Anlage im brandenburgischen Peitz. Weitere NRW-Kraftwerke der Top Ten stehen in Eschweiler sowie in Gelsenkirchen — und, auf Platz fünf, in Grevenbroich.

Der Interessensverband VGB PowerTech erklärteam Mittwoch in Essen, die Auswirkung von Kohlekraftwerken auf die Luftqualität sei vergleichsweise gering. Mit Blick auf eigene Untersuchungen hieß es vom Verband: „Hinweise auf das gehäufte Auftreten von Krebs- und Atemwegserkrankungen“ ergäben sich aus den vorhandenen Messdaten nicht. Auch das Bundesumweltamt mahnte zur Vorsicht: „Man kann bestimmte Krankheitsfälle Kraftwerken zuordnen.“ Ob jedoch statistisch gesehen 3100 Menschen wegen Kohlekraftwerken vorzeitig stürben, wie Greenpeace in einer Pressemitteilung schrieb, sei fraglich.

Greenpeace zufolge herrscht die größte Gesundheitsgefährdung nicht in unmittelbarer Nähe eines Kraftwerks, sondern in einer Entfernung zwischen 100 und 200 Kilometern. Grund dafür seien zunächst die hohen Schornsteine der Kraftwerke. Außerdem entstünden einige der Schadstoffe erst nach chemischen Reaktionen in der Atmosphäre, schrieben die Forscher. Red