Industrie in Grevenbroich: Erdbebenschutz durch Federn

Der Grevenbroicher Federfabrikant FWG produziert für Kulis und Kraftwerke.

Grevenbroich. Unermüdlich stößt die Produktionsmaschine in der Halle der FWG Federn GmbH pro Sekunde eine drei Zentimeter kleine Stahlspirale in den Fangkorb. Der Draht, der von der zwei Kilo schweren Spule in der Länge eines mehrstündigen Spaziergangs in die Maschine gezogen und darin gedreht wird, ist mit 0,25 Millimeter so dünn, dass das Auge ihn kaum erfassen kann.

365 Tage im Jahr läuft an der Lise-Meitner-Straße 3 die Produktion für Federn. 300 Tonnen Stahl aus 400 Materialien verarbeitet der Maschinenpark monatlich, soll dieses Jahr 7 Millionen Euro erwirtschaften.

10000 verschiedene Feder-Typen befinden sich in Wäscheklammern, Automobilschlössern und auch in der Kraftwerksindustrie: Die BoA-Baustelle in Neurath wurde mit 30000 FWG-Federn beliefert, die helfen, die Rohrleitungen flexibel gegen Wärme zu machen.

Für Laien mag der Einsatz von Federn in solchen Dimensionen paradox klingen, doch Exemplare mit dem Gewicht von 100 Kilo können einem Druck bis 150Tonnen standhalten. Diese Eigenschaft hat besonders in asiatischen Ländern einen Trend ausgelöst: "Häuser auf Stelzen", erklärt Geschäftsführer Manfred Albrecht. "Ein Glück für Erdbebengebiete: federn statt zusammenfallen."

Ohne intelligente Maschinen wäre das nicht möglich. Sie berechnen, bearbeiten und produzieren die Federn. Für die großen unter ihnen geht es danach weiter: Nach dem Aufenthalt im 900Grad heißen Ofen kühlt Luft oder Wasser die glühenden Spiralen. Es spritzt und dampft, dann fahren sie zur nächsten Station.

Schleifer Eugen Tanz sorgt für Lupenreinheit auf der Stahloberfläche. Die Schleifmaschine bildet eine Einheit mit ihm, wache Augen und starke Nerven muss jeder der 60 Mitarbeiter haben.

Dafür steht der Betrieb des Mittelständlers FWG auch nie still: Rund um die Uhr stoßen die Maschinen Federn aus, in drei Schichten und für die ganze Welt.