Überangebot? Der siebte Friseur eröffnet an der Sprockhöveler Hauptstraße
Niedersprockhövel · Die Konkurrenz bleibt dennoch gelassen.
Den sechs Friseuren an der Hauptstraße in Niedersprockhövel schlotterten nicht etwa die Knie, als sie erfuhren, dass sich demnächst ein siebter Haarkünstler an der Hauptstraße 35 (da, wo bis vor kurzem „Franks Fahrradladen“ den Branchen-Mix auf der langen Hauptstraße erweiterte) unter dem Namen „Diamond Cut“ niederlassen würde. Sie schüttelten eher verständnislos den Kopf, waren sie doch fast einhellig der Meinung, dass der Bedarf an „Figaros“ mit sechs Mitbewerbern vor Ort ausreichend gedeckt sei.
Kunden gehen teilweise seltener zum Friseur
Daniela Voigt, Inhaberin der seit rund 30 Jahren bestehenden Kombination aus Café und Frisiersalon namens „Metamorphose“ in unmittelbarer Umgebung der Zwiebelturmkirche, bringt es auf den Punkt: „Es müsste für die Ansiedlung derartiger Betriebe einen Bedarfsplan geben, ähnlich wie bei Ärzten, damit es nicht zu einer solchen Anhäufung kommt. Solch ein Plan wäre perfekt.“
Im Übrigen sieht sie der neuen Konkurrenz gelassen entgegen: „Wir haben seit vielen Jahren eine treue Stammkundschaft aufgebaut und glauben nicht, dass die so schnell abwandert. Ich denke, dass wir keine Probleme bekommen werden“, sagt Daniela Voigt und weist auch darauf hin, dass sie unter anderem fünf Auszubildende beschäftigt.
Auch schräg gegenüber, beim Friseur-Salon „C&K“, wirkt man nicht gerade aufgeschreckt. Die Inhaberin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, meint ganz lapidar: „Vielleicht werden einige Kunden hier bei uns oder bei den Mitbewerbern den neuen Salon ‚Diamond Cut‘ mal ausprobieren, aber schon die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie meist zu ihrem vertrauten Friseur oder der Friseurin wiederzurückkehren.“ Zur Situation des Friseurgewerbes meint sie allgemein: „Corona und der Lockdown waren ein harter Schnitt, und danach sind die Kundinnen und Kunden zwar wiedergekommen, doch statt – wie vorher – alle vier Wochen, gehen sie zum großen Teil nur noch alle sechs bis acht Wochen zum Frisör.“
Wann „Diamond Cut“ in der Mittelstraße 35 die ersten Locken stutzt oder die ersten Dauerwellen legt, ist noch unklar: „Bleiben Sie gespannt“, heißt es an der Glastür zum Eröffnungstermin, und „weitere Details folgen in Kürze“, während über dem Schaufenster Fotos von wohlfrisierten Damen- und Herrenköpfen, zum Teil mit eingefrästen Scheiteln oder gar Ornamenten, auf die Passanten herabschauen. Näheres zur Aufnahme des Betriebs war allerdings nicht zu erfahren, weil die offenbar in Hattingen beheimatete Zentrale telefonisch nicht zu erreichen war.
Melanie Blaschke vom knapp 25 Jahre alten Salon „Haircut by Melanie“ scheut keine Konkurrenz: „Wissen Sie, Qualität setzt sich auf Dauer durch, und die Friseurin wechselt man nicht so einfach. Die drei Damen, die hier beschäftigt sind, sind teilweise schon 25 Jahre hier im Salon. Die haben im Kopf abgespeichert, wie ihre Kundinnen und Kunden ihr Haar haben wollen. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass es ein Gremium geben müsste, das sieben mehr oder weniger gleichartige Betriebe innerhalb einer Straße gar nicht erst zulässt.“
Im Betrieb mit dem pfiffigen Namen „Hair Force 1“ regt man sich nicht weiter auf über den neuen Mitbewerber auf. „Vor einem Jahr war ich in der gleichen Situation. Da bin ich auch nicht mit offenen Armen empfangen worden, als ich hier in Nummer 24 meinen kleinen Salon eröffnet habe“, sagt Alan („Alan genügt“, so der Inhaber). „Und ich kann von den Einnahmen hier am Standort gut leben. Deshalb sehe ich keine Probleme durch die Konkurrenz in derselben Straße.“
Bei „Cut`n Color“ vertraut man auf die Treue der Stammkundschaft und auf die Qualität der eigenen Arbeit. „Zu dem neuen Salon werden wohl eher junge Leute erst mal gehen und werden eventuell von niedrigen Preisen angelockt“, heißt es. Dennoch ist man der Meinung, dass ein solches Überangebot innerhalb einer Straße nicht gut ist.
Das sieht auch der sportbegeisterte Hasan Aras von „Haar Fein“ so, der die Trikots der TSG Sprockhövel und die des SC Obersprockhövel als Werbeflächen auserkoren hat und nicht gerade begeistert vom beruflichen Neuzugang an der Hauptstraße ist. „Ist einfach schade und nicht gut“, meint der Inhaber des geschmackvoll nostalgisch eingerichteten Salons an der Hauptstraße Nummer 75.