21. Oktober 1989: Flüchtende glauben nicht an Reformen

Die Appelle der SED fruchten nicht - die Flüchtlingswelle rollt weiter. Umfragen unter den Ausreisenden zeigen, dass niemand an Reformen in der DDR glaubt. Die SED sei dazu nicht bereit, der "Dialog" nur vorgegaukelt, damit sich die Proteste legen.

Wenn es nach Stasi-Chef Erich Mielke ginge, würden die Flüchtlinge wohl Recht behalten.

Er lässt den Führungskreis der Stasi in einer internen Besprechung wissen, dass ihm die Parteilinie sowieso viel zu weich sei. Auf die "antisozialistische Sammlungsbewegung" werde nicht so reagiert, wie es "diese Kräfte eigentlich verdienten". Trotzdem - und zum Glück - weist er das Ministerium für Staatssicherheit an, keinesfalls eigenmächtig gegen Proteste vorzugehen.

In Ost-Berlin formiert sich derweil eine Menschenkette vom Palast der Republik zum Polizeipräsidium. Politbüro-Mitglied Günter Schabowski stellt sich einer Diskussion über Bürgerrechte und Reisefreiheit. Mittlerweile fordern auch einige Blockparteien von der SED, das "Neue Forum" endlich offiziell als Vereinigung anzuerkennen.