Früher schon viele Ausfälle Mit diesem Dilemma haben Trainer bei Fortuna immer wieder zu kämpfen

Düsseldorf · Dünner Kader und Verletzungssorgen zwingen Spieler an ihre Belastungsgrenze.

Andre Hoffmann (r.) kann nur mit Schmerzmitteln spielen.

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Es ist keine Seltenheit, wenn während des Mannschaftstrainings der Fortuna eine Schulklasse vor Ort ist. So war es auch am Mittwoch während der gemeinsamen Einheit, der auch Andre Hoffmann beiwohnte. Als Kapitän des Vereins ist der 32-Jährige selbst den jüngsten Fortuna-Fans bekannt. Nachfragen muss der Anhang ab und an dennoch, wer gerade vor ihnen steht, weil die bekannten Gesichter an diesem Trainingstag pausieren mussten.

Unter anderem setzte Stammtorwart Florian Kastenmeier mit dem Training aus und wurde geschont, ihn vertrat Florian Schock – auf dem Platz sowie außerhalb des Rasens. Der Keeper sollte einem Jungen ein Autogramm geben, der kleine Fan war zunächst verdutzt darüber, wer Schock überhaupt ist und fragte höflich nach. Darauf antwortete Schock auf total sympathische Art und Weise und stellte sich schlichtweg mit einem herzlichen Lächeln vor: „Ich bin der Florian.“

Nun wusste der kleine Fan, wer ihm in diesem Augenblick ein Autogramm gibt. Solch eine Szene offenbart momentan allerdings das große Dilemma des Zweitligisten, der wie eine Mannschaft ohne Gesicht erscheint. Kastenmeier ist als unangefochtener Torwart und einer der stellvertretenden Kapitäne definitiv eines davon, ihn hat es aber nicht schwer erwischt wie seine Mitspieler um Marcel Sobottka der dienstälteste Fortuna-Profi schnürt seit zehn Jahren die Fußballschuhe für die Düsseldorfer und fehlt seit geraumer Zeit.

Sein Ausfall konnte zwischenzeitlich zwar lange kompensiert werden, doch mit den Verletzungen von Giovanni Haag und Moritz-Broni Kwarteng ist es im zentralen Mittelfeld personell noch dünner geworden. Nun ist auch noch Matthias Zimmermann, der diese Position auch bekleiden kann, aufgrund seiner fünften Gelben Karte am Samstag im Heimspiel gegen Preußen Münster gesperrt. Die Rheinländer haben mit reichlich personellen Problemen zu kämpfen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls keine Seltenheit gewesen sind.

In der Saison 2019/2020 beklagte das Team zwischenzeitlich zwei verletzte Torhüter zu Saisonbeginn, als Michael Rensing und Raphael Wolf pausieren mussten. Das Mittelfeld-Duo Kevin Stöger und Aymen Barkok setzte ebenfalls mehrere Wochen verletzt aus. Doch nicht nur in der besagten Spielzeit fielen mehrere Akteure aus, auch in den Folgejahren blieb Fortuna nicht von Verletzungen verschont. All das passiert sehr zum Leid der jeweiligen Trainer, die trotzdem handeln müssen und gewissermaßen zu etwas gezwungen sind, wovon sie in der Regel Abstand genommen hätten.

Denn Chefcoach Daniel Thioune und seine Fortuna-Vorgänger hatten aufgrund der dünnen Kader in der jüngsten Vergangenheit nahezu keine andere Wahl, als die Profis früher als sinnvoll wieder in den Trainings- und Spielbetrieb zu nehmen. Bestes aktuelles Beispiel dafür ist Kapitän Hoffmann, der nur unter der Einnahme von Schmerzmitteln seinen Beruf als Fußballer ausüben kann. Die Situation um den 32-Jährigen ist ein eindeutiges Alarmsignal, das der Verein künftig nicht übersehen sollte.

(pn/gic gic)