Rechnerisch ist noch alles möglich, nach wie vor. Sieben Partien hat Fortuna noch vor der Brust, 21 Zweitliga-Punkte kann sie also daraus im Bestfall holen – und in der Tat beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nur fünf Zähler. Deshalb hat Sportvorstand Klaus Allofs vor wenigen Tagen eindringlich davon abgeraten, die Saison unter dem Eindruck der unterdurchschnittlichen Leistungen aus den vergangenen Wochen sowie der schmerzhaften 1:3-Niederlage in Kaiserslautern vorzeitig abzuhaken. „Man muss den Gegebenheiten ins Auge schauen: Es ist noch alles drin“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion.
Zwar bleibt es dabei, dass man schon eine besonders große Fantasie entwickeln muss, um ernsthaft daran zu glauben, dass Fortuna zumindest noch auf dem dritten Rang landen wird. Doch Allofs hat rein faktisch natürlich Recht, wenn er sagt: „Dass die Wahrscheinlichkeit auf den Aufstieg nach den Niederlagen in Hamburg und Kaiserslautern gesunken ist, ist klar. Aber ist die Bundesliga rein theoretisch noch möglich? Ja! Auf gar keinen Fall machen wir jetzt schon den Deckel drauf. Und wir sagen auch nicht, dass die Saison gelaufen ist und wir sie nur noch ausklingen lassen.“
Trainer Daniel Thioune stößt vor der letzten ,Fortuna-für-alle’-Partie dieser Spielzeit gegen Preußen Münster (Samstag, 13 Uhr) nun ins selbe Horn. „Wenn man die Situation mal andersherum denkt: Würden wir sieben Spieltage vor Schluss im Abstiegskampf stecken, unter dem Strich stehen und einen Rückstand von fünf Punkten auf das rettende Ufer haben – dann würde ja auch niemand seine Tasche packen, sich einen neuen Arbeitgeber suchen und sagen, dass wir schon abgestiegen sind“, erzählt er. „Alle würden bis zum letzten Tag um die Chance kämpfen, am Ende des Tages über dem Strich zu stehen.“
Nun stecken die Düsseldorfer glücklicherweise nicht im Abstiegskampf, doch der Vergleich passt in jedem Fall zur Ausgangslage der neuntplatzierten Thioune-Truppe im Kampf um die Bundesliga. „Es können sich alle sicher sein: Ich werde mit meiner Mannschaft bis zum letztmöglichen Moment alles versuchen, um in der Tabelle zu klettern“, proklamiert der 50-Jährige. „Erst an dem Tag, an dem der Aufstieg endgültig nicht mehr möglich ist, werden wir darüber reden, warum es nicht geklappt und was uns aufgehalten hat. Gerade lassen wir uns aber von nichts aufhalten, und wir tragen immer noch die Fantasie in uns, besser abzuschneiden, als wir es aktuell tun.“
So hat sich der Allofs-Appell am Ende wohl in erster Linie an die Öffentlichkeit gerichtet, nicht so sehr ans eigene Team – und auch nicht an Thioune. Das unterstreicht der Trainer noch einmal ausdrücklich. „Klaus kennt mich nach drei Jahren gut genug, um zu wissen, dass ich niemals verwalten oder stehen bleiben möchte, sondern immer noch das große Ziel sehe“, betont er, schiebt aber sogleich nach: „Trotzdem müssen wir am Wochenende erstmal gegen Preußen Münster spielen und drei Punkte einfahren.“ Was nach einem simplen Plan klingt, ist eine stattliche Herausforderung.
Auf dem Weg, diese zu meistern, setzt der Coach voll und ganz auf die Unterstützung jener Fans unter den 52.000 Zuschauern, die es mit Fortuna halten. „Ich würde mich freuen, wenn uns alle, die da sind, pushen, denn dann kann unser Stadion für die Münsteraner zu einer Last werden. Als sie in Hamburg zu Gast waren, hatten sie zum Beispiel nicht so viel Widerstandsfähigkeit wie sonst. Mit der Unterstützung unserer Fans, die uns auch in Lautern hervorragend angepeitscht haben, kann eine gute Symbiose entstehen“, sagt Thioune.
Selbst wenn auch er sich im Klaren darüber ist, dass die Stimmung bei den vergangenen „Fortuna-für-alle“-Partien aufgrund der Heterogenität des Publikums trotz einer proppenvollen Arena niemanden vom Hocker gerissen hat. „Ich würde mir wünschen, dass die Stimmung auch bei einem ,Fortuna-für-alle’-Spiel besonders ist und die Jungs auf dem Platz von der ersten Sekunde an angetrieben und dazu animiert werden, die beste Version von sich selbst zu sein“, sagt der Trainer deshalb. „Das ist aber keine Erwartungshaltung und auch keine Aufforderung, sondern ein Wunsch.“
Die Erwartungshaltung, dessen ist sich Thioune bewusst, müsse „einzig und allein“ an sein Team gerichtet sein: „Wir müssen abliefern.“ Denn rechnerisch ist ja noch alles möglich, nach wie vor.