Ringstechen: „Herr der Ringe“ in der Reithalle

Der Reiterverein Büderich hält seit 20 Jahren an einer lieb gewordenen Tradition fest.

Büderich. Erde wirbelt durch die Luft, Hufe schwingen und "bewaffnete Reiter" galoppieren an anfeuernden Zuschauerinnen vorbei. Nein, das hier ist kein mittelalterliches Ritterturnier um die Gunst des Burgfräuleins. Das ist die Gegenwart.

Einmal jährlich organisiert der Reiterverein Büderich 1922 sein traditionelles Ringstechen, bei dem es für die Teilnehmer darum geht, möglichst häufig einen Metallring mit einer kurzen Lanze von einem Galgen zu stechen. Keine große Herausforderung eigentlich - wenn der aufzuspießende Ring nicht nur einen Durchmesser von fünf Zentimetern hätte und in vollem Galopp ergattert werden müsste.

"Das machen wir schon seit über 20 Jahren", sagt Horst Diel, Vorsitzender des Reitervereins, der betont, dass der Spaß immer im Vordergrund stehe. Vorerst ist es nur die Trainingsphase, in der fünf Männer die Pferde in der großen Halle der Reitschule Schmidt auf der Broicherseite einreiten. Da aber nicht alle neun Teilnehmer zugleich mit ihren Pferden antreten können, wird in zwei Durchgängen gekämpft.

"Passiert ist bisher noch nichts, aber Reitsport ist niemals ungefährlich", will Diel ein gewisses Risiko nicht ausklammern. "Deshalb ist die Konzentration der Reiter sehr wichtig."

Der absolute "Herr der Ringe" ist Herbert Richter, der in seiner langjährigen Laufbahn im Verein immerhin fünf Titel sammeln konnte. "Wir haben aber durchaus auch eine tolle junge Truppe im Verein", lobt Richter die knapp unter dreißigjährigen Reiter.

Und genau diese sind es, die zuerst ihr Können demonstrieren, als das Turnier dann endlich beginnt. Ring um Ring landet auf den kleinen hölzernen Spießen der Teilnehmer, und es zeigt sich zunehmend eine gewisse Konstanz bei der Treffsicherheit - was die Sache spannend macht. "Mensch, schieb an!", fordert eine Zuschauerin, als ein Reiter nach ihrem Geschmack viel zu langsam den eisernen Galgen mit dem Ring passiert.

Dass die erhaben wirkenden Vierbeiner nicht immer so wollen, wie es ihre Reiter gern hätten, zeigt sich, als ein jüngerer Teilnehmer nicht so recht in Schwung kommt und dem Metallgestell daraufhin einen wutentbrannten Hieb mit der Lanze versetzt.

Nach einer halben Stunde haben die ersten fünf Reiter ihre zehn Versuche beendet, und der zweite Durchgang steht an. Wer wird sich ab heute Ringkönig für ein Jahr nennen dürfen? Bereits zu Beginn der zweiten Runde zeigt sich, dass der älteste Teilnehmer auch der schnellste ist. In deutlich höherem Tempo als seine Mitstreiter reitet Horst Diel (59) an den Zuschauern vorbei - und trifft! Erstaunlich, wie kraftvoll eine einzige Pferdestärke sein kann, mag da manch einer vom Rand aus denken.

Dass zumindest in diesem Jahr Erfahrung über jugendliche Fitness triumphiert, steht am Ende der Veranstaltung fest: Horst Diel heißt der Seiger, mit insgesamt sieben gestochenen Ringen erklimmt er vor Herbert Richter (6 Ringe) sowie Sebastian Schild und Marco Diel (jeweils 5 Ringe) die Spitze des Treppchens.