Grevenbroich: Schau will mit Vorurteilen aufräumen
Ausstellung: „Bild-Störung“ zeigt Beispiele für die Integration von Menschen mit Behinderung.
<strong>Grevenbroich. Unter dem Titel "Bild-Störung" ist im Museum Villa Erckens eine Ausstellung über die Geschichte des Umgangs mit Behinderten zu sehen. Die Schau will alte Vorurteile ins Wanken bringen und Beispiele für die Integration von Behinderten zeigen. So dokumentiert sie, dass schon die Eiszeitmenschen ihre behinderten Angehörigen versorgten. Aber sie zeigt auch den verhängnisvollen Siegeszug des Sozialdarwinismus, der unter dem Deckmantel der Wissenschaft den Tod aller "Schwachen" forderte. Schrecklicher Höhepunkt war die Nazi-Diktatur, als Tausende Behinderte ermordet oder zwangssterilisiert wurden.
Die Wanderausstellung wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Behinderte erstellt und wird in 90Städten gezeigt. Ergänzt wird sie durch Präsentationen der lokalen Behinderteneinrichtungen: Die Lebenshilfe, die Mosaik-Schule und die Werkstatt für Behinderte (WFB) zeigen, wie behinderte Menschen in der Region heute wohnen, lernen und arbeiten. Auch davon erhoffen sich die Macher eine konstruktive "Bild-Störung".
Noch immer reagieren viele Menschen ohne Handicap aus Unwissenheit mit Angst, oder unterschätzen die Fähigkeiten der Behinderten, so die Erfahrung von Ingrid Lipgens von der Lebenshilfe. Um diese Zielgruppe zu erreichen, haben die Organisatoren bewusst keine Behinderteneinrichtung, sondern das Museum als Veranstaltungsort gewählt, sagt WFB-Geschäftsführer Wilfried Moll. Der Plan geht offenbar auf, wie der enorme Publikumsandrang bei der gestrigen Eröffnung zeigte.