Weniger Sportanlagen wirken leistungsfördernd
Stadt-Sport-Verband: Keine Einmischung in Streit um Jahnstadion.
<strong>Neuss. Der Stadt-Sport-Verband (SSV) begrüßt die momentan diskutierte Neuordnung der Sportinfrastruktur in Neuss. Auf der Jahreshauptversammlung erklärte der Vorsitzende Wilhelm Fuchs, mit der Verlagerung des Fußballs auf die Bezirkssportanlage Stadtwald und der Leichtathletik auf die Wolker-Anlage werde eine deutliche Verbesserung in Richtung moderner Sportstätten erreicht. Fuchs betonte jedoch auch, dass der Sport sich aus der Diskussion um das Stadiongelände - die CDU will das Stadionareal bebauen und auf den Nebenplätzen ein Sportzentrum für die TG Neuss errichten lassen - heraushalte. "Das ist Sache der Politik." Bürgermeister Herbert Napp nahm den Ball auf und unterstrich, "dass es bei dem Überangebot an Bezirkssportanlagen mit qualitativen Defiziten doch grundsätzlich nicht falsch sein kann, bedarfsgerechte Sportstätten entwickeln zu wollen". Der SSV-Vorsitzende ließ durchblicken, dass er bei einem notwendigen Umzug von Vereinen nur bedingt Verständnis für deren Kritik aufbringt: "Es ist zu berücksichtigen, dass den Vereinen, die in nur zwei Kilometer Entfernung eine qualitativ wesentlich bessere Sportstätte erhalten, die Anlagen unentgeltlich überlassen werden." Fuchs hält die "Konzentration auf entwicklungsfähige Bezirkssportanlagen" schon deswegen für positiv, weil dadurch ein Zusammenrücken der auf diesen Anlagen zukünftig beheimateten Vereinen ermöglicht werde. "Unsere heutige Vereinsstruktur in den Hauptsportarten ist doch weder leistungsfördernd noch zukunftsfähig."
"Etliche Vereine streichen die Angebote für die Kleinsten mangels Nachfrage."
Zu seinem Bedauern musste Fuchs mitteilen, dass die Aktion "Sport für alle - Hilfe für Sozialschwache", bei der 2007 wieder 6000Euro an die Vereine ausgeschüttet wurde, so nicht weiter bestehen kann: Der Sparkassenfonds, aus dem die Mittel flossen, wird abgespeckt.
Große Hoffnungen setzt er dagegen auf das Anti-Doping-Programm "Neusser Modell", das bei der Deutschland-Tour im September zur Anwendung kommen soll. Neben speziellen Analyse-Methoden wird es drei Fachseminare geben, mit denen man eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen will.
Als Problem für die Vereine in Neuss hat der Stadt-Sport-Verband die Ausweitung des Ganztagsbetriebs an Schulen erkannt. Fuchs: "Dass etliche Vereine ihre Angebote für die Kleinsten am Nachmittag mangels Nachfrage kürzen oder gar streichen müssen, ist ein Alarm, den viele noch nicht hören."
Günther S. Sedlmaier vom Neusser Ruderverein, seit über 50 Jahren Mitglied und seit 37 Jahren Schatzmeister, erhielt für seine Verdienste die Zinnkanne der Sparkasse Neuss. Die Goldenen Ehrennadel ging an Hans Brüggen von der DJK Rheinkraft. Den Nachwuchspreis des SSV erhielt der KSK Konkordia, der es im Ringersport immer wieder schafft, Jugendliche zum Leistungssport zu bringen und ein erfolgreiches Trainingsprogramm für Migrantenkinder entwickelt hat.